Manchmal muss man sich auch Fehler eingestehen können.
So wie ich gestern Abend feststellen musste, dass ich definitiv zu wenig Weine von Erni Loosen trinke. Warum ich das ändern werde? Ganz einfach…

Das letzte Jahr war die Mosel das wohl am meisten besuchte Weinbaugebiet der Umgebung. Warum liegt auf der Hand: Geile Weine, coole Winzer, einzigartiges Panorama und auch essen kann man sehr gut.

Einer der Winzer, die natürlich jeder kennt – nicht nur in Deutschland – ist dieser Ernst Loosen. Und traurigerweise habe ich in den vergangenen 15 Monaten, in denen ich mich nun intensiver mit dem Thema Wein beschäftige, kaum Weingut Dr. Loosen-Weine getrunken.

Aber gestern hatte ich das Glück und die Ehre, einen Nachmittag und Abend mit Erni himself und den beiden Damen des Hauses zu verbringen. Aufgeregt und voller Vorfreude stellte ich also gegen 16 Uhr mein Auto an der Schnellstraße bei Graach ab und begab mich ins Weingut.

Wir starteten mit dem Tasting, da der Weinbergsbesuch aufgrund regelmäßiger Wolkenbrüche auf das nächste Mal verschoben werden musste.
Natürlich ging es von trocken, #keepontrocken, hin zu restsüß. Erni startete das Tasting mit dem, dem deutschen Markt nicht zugänglichen (Ausnahme ist die Grapes Weinbar in MUC), Dr. L. Und sowohl der trockene als auch sein restsüßer Brother sind das, was man von ihnen erwartet: Unkompliziert, knackig, sehr trinkig und zugänglich.
Entlang der drei verschiedenen Bodentypen auf denen Erni seine Weine anbaut, Blauschiefer, Rotschiefer und rotes, schiefriges Vulkangestein, verkosteten wir uns durch die trockenen Rieslinge. Dabei sind die blaufschiefrigen die klareren, mineralischeren und puristischeren, die rotschiefrigen kommen expressiver, fruchtiger und körperreicher – das beste von beiden Böden also.

Dann ging es zum „Graacher“. Bereits bei Mythos Mosel verkostet und für geil befunden, war er auch gestern wieder so ein starkes Ding. Ungestüm und wild, klar und voller Kraft und Mineralität steht er im Glas und zeigt was man aus den jungen Reben rausholen kann. Ich liebe den Stoff – so ultra-trinkig!

Die Graacher Himmelreich Alten Reben kommen ähnlich knackig, aber erwachsener und mit mehr Tiefe daher. Ist der Graacher der Wein um den Abend kraftvoll zu starten, kommen die Alten Reben gediegen zum Zwischengang.

Und so hat jedes der mittlerweile 7 GG’s etwas für sich und seine Berechtigung, wird die Boden- und Lagentypizität astrein herausgerarbeitet. Allesamt aus Alten Reben, dadurch sehr intensiv und komplex, mit enormer Tiefe und Spannung, dennoch sehr zugänglich und schnell bei 100% im Glas. Präsentieren sich Wehlener Sonnenuhr und Graacher Himmelreich sehr fein und filigran, haben die Lagen ab Ürzig, wo der Bodentyp sich ändert, mehr Power und Körper.

Achja, Sparkling macht man auch im Hause Loosen – wusste ich auch nicht. Und der Rosé ist keiner dieser langweiligen Sparkling-Fruchtcocktails-versetzt-mit-Prosecco – hier gibt es Brioche, dezente Beerenfrucht und knackige Spannung im Glas – top Apero!

Und dann ist da noch diese Reserve-Sache. Warum Erni das macht? Weil er es kann! Und weil es den Weinen verdammt gut tut!

Reserve bedeutet 24 Monate auf der Feinhefe und 12 Monate in der Flasche, bis der Wein schließlich auf den Markt kommt.
Reserveweine werden aus der Wehlener Sonnenuhr, dem Ürziger Würzgarten und dem Erdener Prälat gemacht und zeigen was großer, gereifter Moselriesling alles so kann.
Die Frucht entwickelt sich wunderbar weiter und prägt die Ürziger Würzgarten GG Reserve mit gereifter Ananas und reifer tropischer Frucht die klasse mit der mittlerweile unglaublich runden Struktur der Weine harmonieren. Daneben stehen eine super vitale Säure und Mineralität, die eine tolle Balance ergeben.
Der Erdener Prälat GG Reserve, den es später zum Essen gab, ist der absolute Hammer!
Gelbe Frucht, Steinobst und exotische Frucht – perfekte gereift – seidig weich, cremig, nussig, aber dennoch spritzig und jung mit ewig langem, mineralischem Finish, das einfach nicht enden möchte.
Was ein hammer Stoff – man bringe mir mehr davon!

Über Erni’s Koch- und Gastgeberqualitäten muss man nicht wirklich ein Wort verlieren. So zog er zu später Stunde noch 82er und 90er Bordeaux aus dem Keller und hat sichtlich Spaß wenn das Wort aufs Burgund fällt – „das gibt’s nächstes Mal.“

Vielen Dank an Desiree, Nadine und Erni für den einmaligen Abend – und ich freue mich jetzt schon auf die nächste Runde!

Avatar
Author

Björn Bittner ist der Gründer von Bjr Le Bouquet. Seine Artikel beschäftigen sich mit den Themen Wein, Essen und Reisen. Ob Verkostungsnotiz, Restaurant-Bericht oder Einblicke in die letzte Weinreise - hier findet ihr alles was Björn bewegt.

Comments are closed.