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WEINGUERILLA: BJR Le Bouquet im LIEBLINGSPLATZ Magazin

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Er ist ein Revoluzzer der konservativen Weinszene, obwohl ihm das zutiefst widerstrebt und genau das nie sein Ziel war. Dennoch rüttelt Björn Bittner alias BJR Le Bouquet an festgefahrenen vinophilen Traditionen und bewegt sich avantgardistisch nonkonform zur Arroganz des Autochthons mit seinem Weinblog, dessen simples wie gleichermaßen hochgestecktes Ziel es ist, die hohe Eintrittsbarriere zu senken und die Materie Wein einer breiten Schicht zugänglich wie schmackhaft zu machen.

Leidenschaft, Sneaker und alte Traditionen

Spricht man von Weinkennern, entsteht vor dem inneren Auge wie von selbst das Bild gesetzter, honoriger Herren mit ergrauten Schläfen in feinen Kashmirpullovern, unter denen sich ein maßgeschneidertes Hemd elegant um den Kragen legt, das Buch in der einen Hand, die andere das Glas mit dem kostbaren Rot elegant schwenkend.

BJR Le Bouquet lehnt sich zwar ebenso lässig in den eleganten Clubsesseln zurück und schwenkt mit einer entspannten nonchalance das Glas in seiner Linken – aber spätestens da enden auch schon die Parallelen. Das Material seiner Bikerjacke erinnert nicht im geringsten an den sophisticated Charme englischen Leders, sondern strahlt die kantige Rebellion aus, die vermutlich ebenso vehement im Herzen des bekannten Weinbloggers pulsiert. Lässig streckt er die Beine aus, auch hier keine klassischen Oxfords oder gar Monkstraps, die die Füße zieren, sondern die für Bittner obligatorischen Air Jordans, die von dem jungen Mann mit seiner ambitionierten Mission nicht wegzudenken sind. „Ja vielleicht ist es ein Spleen.“, feixt der 27-jährige mit einem amüsierten Lächeln, „Aber selbst zum Anzug trage ich Air Jordans. Vermutlich ist der Strand der einzige Ort, an dem ich keine trage.“ Er nimmt einen Schluck vom knackigen Riesling in seinem Glas und fährt mit dem Charme eines Lausbuben fort: „Da Wein mein Job ist, und somit wohl kaum als Laster gilt, erlaube ich mir diese Schwäche für meine Lieblingssneaker.“

„Aber selbst zum Anzug trage ich Air Jordans. Vermutlich ist der Strand der einzige Ort, an dem ich keine trage.“

Bei all dieser offensichtlichen Distanz, die die Person Bittners zum klassischen Weinadel darstellt, kommt die Frage auf, wie es einen jungen Businessstudenten in diese Kreise verschlägt: Sein Vater arbeitete früher in China. Die dortigen Geschäftspartner waren ganz verrückt nach dem kostbaren französischen Bordeaux, und so war es keine Seltenheit, dass im Hause Bittner auch schonmal Flaschen zu 10.000,- Euro lagerten, die dann den Weg mit seinem Vater nach China fanden. Diese beinahe besessene Begeisterung für tolle Weine faszinierte den jungen BJR Le Bouquet selbst damals als Teenager schon.

Ebenso schnell wie endgültig nahm ihn aber die Dokumentation „SOMM“ auf Netflix gefangen. Hier geht es um fünf tatsächlich ziemlich coole Typen, die sich auf das Master Sommelier Diplom, dem nachgesagt wird, die schwierigste Prüfung der Welt zu sein (mögen auch manche Juristen widersprechen) vorbereiten. Nur ca. 200 Personen können sich weltweit mit diesem Titel schmücken. Aber BJR Le Bouquet wollte nie Sommelier werden, ihn faszinierte vielmehr die unglaubliche Passion und die hohe Emotionalität, die das Thema Wein mit sich bringt. Interessierte ihn Geschichtsunterricht zu Schulzeiten nicht im Geringsten, begeistert er sich heute für die Historie und ihre gesellschaftlichen Zusammenhänge. Begeistert erzählt er von Weinreben, die bereits die Römer pflanzten und aus denen heute junge, moderne Weine gekeltert werden.

Aber nicht nur die Emotionen und Geschichten, die in der jahrtausendealten Tradition des Weinanbaus stecken, be- geistern den passionierten Connaisseur. Es ist die Brücke, die das Traubengewächs schlägt und mit seiner lang- zurückreichenden Geschichte, genau im Hier und Jetzt Emotionen erzeugt, wunderbare Erlebnisse begleitet und zu neuen schönen Erinnerungen werden lässt. Bei all der Begeisterung, die aus dem Weinblogger spricht, verwundert es geradezu, dass er früher einfach grundsätzlich keinen Alkohol getrunken hat. Gekocht hat er schon immer leidenschaftlich, aber erst der Wein war die perfekte Begleitung. Und so ist es dem jungen Mann, der die Weinwelt polarisiert, ein ganz besonderes Anliegen, Wein nahbar zu machen, auch für ein jüngeres Publikum, das keine 200,- Euro für eine Flasche Wein ausgeben kann, aber dennoch auf Qualität zu einem fairen Preis setzt.

Aber nicht nur Björn Bittner scheint zu polarisieren, sondern die gesamte Nation, was das Thema Wein betrifft. Erzählt er doch, dass es zwar auf der einen Seite die Kenner und Genießer gebe, die durchaus bereit wären, für manche Weine astronomische Summen hinzulegen, im Kontrast dazu aber der durchschnittlich bezahlte Preis für Wein in Deutschland bei 2,80 Euro für den Liter liege. Bei diesen Zahlen schmeckt man beinahe schon das Tetrapack auf der Zunge. Zumal wenn man bedenkt, dass der aufgebrühte Kaffee einiger Kapselhersteller gerne mal 4,00 Euro den Liter kostet.

„Ein Wein muss mich einfach packen.“

BJR Le Bouquet ist sich aber sicher, dass bereits ab 6,50 Euro hierzulande fantastische Weine zu bekommen seien, die einfach Spaß machen. Punkte interessieren ihn nicht, ihm geht es um Geschmack. „Ein Wein muss mich einfach packen.“ Und so beschreibt er die Weine auch in seinen Blogartikeln – in einer modernen, jungen Sprache, die vielleicht manchmal „direkt auf die Fresse ist“, aber so durchaus verständlich und nahbar für ein Publikum, das erst vom Wein begeistert werden will. Klar, gebe es Bilder von Champagnerflaschen an traumhaften Karibikstränden, die dann entsprechend noch mehr „Likes“ bekämen, so Bittner, aber ihm gehe es um wertigen und selbstproduzierten Content, mit dem seine Follower auch etwas anfangen können. Schöne Bilder ja, aber der Inhalt muss schon auch stimmen – in jeglicher Hinsicht.

BJR Le Bouquet, das ist ein junger, ambitionierter Mann, den eine Passion vorantreibt und der vieles Konventionelle über Bord wirft, aneckt, polarisiert, der aber ebenso begeistert. Es ist wie in der Liebe: Sie muss nicht schön sein, sondern einfach nur echt! Und genau diese Authentizität ist vermutlich sein Geheimnis. Da bleibt nur noch zu sagen: Auf die Liebe zum Leben! Im AMERON Hotel Regent traf sich LIEBLINGSPLATZ mit BJR Le Bouquet zu einem sehr entspannten interview in stylisch-relaxtem Ambiente. Den bekannten und mehrfach ausgezeichneten Interior-Designer Markus Hitziger, der unter anderem auch diesen spannenden urbanen Look kreiert hat, stellen wir euch in einer der nächsten Editionen vor.

AMERON Hotel Regent, Köln

Nicht nur Reisende schätzen das AMERON Hotel Regent, sondern auch Einheimische kommen gerne in das Restaurant Cantinetta: in der Sonne auf der Terrasse sitzen und dem bunten Treiben zusehen und dabei den köstlichen Cantinetta Burger genie- ßen. Zu dem hat BJR Le Bouquet seinen ganz eigenen Weintipp:
Passend zum Burger beispielsweise aus dem „Land der Burger“ – Nordamerika. Ein Roter aus der neuen Welt, gerne aus Kalifornien. Vollmundig, saftig und mit viel Kraft – das wäre für mich eine schöne Kom- bination. Ein Rotwein aus dem italienischen Chianti ist aber auch eine super Wahl. Wie beispielsweise der Castello di Ama Cianti Classico DOCG 2014 | 92/100 Robert Parker. Ein klassischer Chianti, der sich souverän und präzise präsentiert. Passt natürlich auch hervorragend zu allem anderen Gegrillten und Röstaromen.

Björn Bittner ist der Gründer von Bjr Le Bouquet. Seine Artikel beschäftigen sich mit den Themen Wein, Essen und Reisen. Ob Verkostungsnotiz, Restaurant-Bericht oder Einblicke in die letzte Weinreise - hier findet ihr alles was Björn bewegt.

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