Ich bin und war schon immer ein großer Film- und Serien-Fan. Früher lieh man sich mit dem besten Freund Filme in der Videothek, zog sich Filme bei Freunden oder bekam DVDs zum Geburtstag geschenkt. Jede Woche ein neuer Lieblingsfilm! 

Heute ist das Ganze etwas einfacher, die Auswahl an Filmen, wie auch die Auswahl der Plattformen wo man diese Filme schauen kann, wird immer größer. Ob Netflix Original, Amazon Prime Exclusive – ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Fernsehen im ursprünglichen Sinn geschaut habe. Vielleicht 2016.

Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt weiß allerdings, dass es gerade in den Nischen-Genres eine Menge Mist gibt.

Umso schöner ist es, dass in den vergangenen Jahren eine Reihe spannender Filme im „Genuss“-Genre veröffentlicht wurden. Das mögen Wein-Filme sein, wie ich sie im Folgenden aufgreifen möchte, aber auch Mini-Serien wie Chefs Table, Filme über Sushi Meister Jiro und ähnliche. Aufwendig produziert, informativ und wirklich packend.

Soll ich ehrlich sein, bin ich mir nicht sicher, ob ich mich ohne einen dieser Filme heute so intensiv mit dem Thema Wein beschäftigen würde. Vielleicht nicht. Vielleicht doch. So ist der erste Film einer dieser Reihen wirklich DER Auslöser für meine vinophile Karriere. 

SOMM

Erscheinungsjahr: 2013
Herkunftsland: USA
Drehorte: Burgund, Frankreich/ Champagne, Frankreich / Napa Valley, Kalifornien
IMDb-Bewertung: 7,0/10

Die Handlung ist denkbar einfach: Vier Sommeliers (SOMMs), in Person DLynn Proctor, Ian Cauble, Dustin Wilson und Brian McClintic versuchen sich an einer der anspruchsvollsten, schwersten Prüfungen die es gibt, der des Master Sommeliers.

Nur knapp 250 Menschen dürfen sich weltweit mit diesem Titel schmücken. Die Prüfung setzt sich aus Theorie, Service und Blindverkostung zusammen und die Durchfallquote ist alles andere als ermutigend.

Ein spannendes Setup: Man begleitet die Jungs in den letzten Wochen vor der Prüfung. Und genau dieser Prozess, unabhängig davon ob bestanden oder nicht bestanden, machte diesen Film für mich so besonders. Die Art und Weise wie man mit dem Thema Wein umging, mit seinen Mitstreitern und auch den Mitmenschen, die in dieser heiklen Zeit in Sachen Aufmerksamkeit leider den Kürzeren ziehen. Gemeinsam mit ihren Mentoren Geoff Kruth (den ich vor kurzem bei einem California Wines Tasting im Hamburger Hotel Atlantic treffen durfte) und Fred Dame, natürlich beide ebenfalls Master Sommeliers, durchleben sie harte Tage, die sich in trockenes Lernen, Service und Blindverkostung dritteln.

Man sieht ihnen die immer weiter steigende Anspannung an. Lief eine Blindverkostung an Tag 1 hervorragend, bekamen sie Panik, weil die eigene Leistung an Tag 2 deutlich schlechter war. Man leidet mit ihnen, man freut sich mit ihnen. Ich persönlich, der den Film mittlerweile bestimmt 15 oder 20 Mal gesehen hat, sitze auch heute noch mit großen Augen vor dem Bildschirm, wenn die Jungs „The Grid“ durchgehen. Diese Passion, die Freude, der Spaß, die Demut – das alles sieht man in ihren Augen und wie sie sich in diesen letzten Tagen vor der Prüfung geben.

Man hat diese Emotionen wunderbar konserviert und auf die Leinwand gebracht.
Dieser Film hat mich 2016 rund 2 Monate vor der ProWein gepackt und auch bis heute nicht mehr losgelassen. Für mich, der Eye-Opener und DER Film schlechthin.

Sour Grapes

Erscheinungsjahr: 2016
Herkunftsland: UK
IMDb-Bewertung: 7,3

Sour Grapes ist ebenfalls einer der Filme, die ich mehr als zehn Mal angeschaut habe. Und auch einer der Filme, die ich immer wieder Freunden zeige und dann gerne noch mal wieder mit ihnen gucke. Warum? Zum einen fasziniert er mich einfach, zum anderen zeigt er die dunkle Seite der Weinbranche auf. Die der gefakten Weine. Auch wenn viele Menschen noch nie eine Flasche gefälschten Wein vor sich hatten, ist das ein Geschäft, das Menschen weltweit Millionen an Umsatz beschert. Im Film geht es um Rudy – genauer gesagt Rudy Kurniawan alias Dr. Conti.

Ein Typ dessen Familie im fernen Osten lebt und der im Westen sein Studium abgeschlossen hat. Rudy tauchte irgendwann in der Weinszene von Los Angeles auf und spielte dort recht zügig mit den Big Boys mit. Und genau da kommt für mich der Casus Knacksus: Rudy soll große Mengen an Weinen aus dem Burgund gefälscht haben, sitzt dafür derzeit im Gefängnis und hat in kurzer Zeit eklatanten Schaden angerichtet.
Da man diesen zum einen kaum beziffern kann und es zum anderen auch unwahrscheinlich ist, dass je alle Rudy-Flaschen aus dem Verkehr gezogen werden können. So entsteht von Rudy das Bild, dass er ausschließlich gefälschte Weine getrunken und verkauft hat. Dennoch bestätigen auch eine Reihe von Leuten seine herausragenden, fast Lexika-artigen Blindverkostungsskills – und das eben bei Weinen, die nicht von ihm, sondern aus renommierten Kellern stammten. Das Ganze ist ein großes Mysterium.

Leider wird das Fälschen rarer Weine auch durch Rudys Haftstrafe nicht aufhören.

Neben dieser dunklen Seite der Branche, zeigt der Film aber auch eine Menge sehr sehenswerter Bilder, coole Sprüche und einige der größten Weine, die wohl so gut wie niemand von uns je auch nur zu Gesicht bekommen wird. Ihr werdet diesen Streifen lieben!

 Red Obsession

Erscheinungsjahr: 2013
Herkunftsland: Australien, China, Frankreich, Hongkong, UK
IMDb: 6,7/10

Und wieder geht es in das Jahr 2013, ebenso wie bei SOMM und A Year in Burgundy. Wer diesen Film in Originalversion schaut wird Russell Crowe in der Sprecherrolle vorfinden, was dem Film noch etwas mehr Glamour verleiht, als er ihn in seinen 75 mins eh schon hat.

Alles beginnt im Bordeaux. Und es endet in Fernost. Genau die Orte die bei meiner ersten Berührung mit dem Thema Wein wichtig waren. Wohl kaum ein anderes Anbaugebiet weltweit hat sich über solch einen langen Zeitraum als so beständig, einzigartig und großartig erwiesen, wie das Bordeaux. Natürlich gibt es die wunderschönen, märchenhaften Chateaus, die oft große Augen hervorrufen. Aber auch lange Zungen, wenn man diese Tropfen im Glas vor sich hat. Und so wird auch in diesem sehr spannenden Film zunächst die Leidenschaft, die Natur, die Symbiose aus Natur und Mensch und die Liebe zu den fermentierten Trauben auf die Leinwand projeziert. Und, das weiss ich von Freunden und Bekannten, die diesen Film bereits sahen, es funktioniert wunderbar.

Dann, plötzlich, geht es weg aus dem idyllischen, malerischen Bordeaux in den fernen Osten. Genauer gesagt nach China. Hongkong, Shanghai, die großen Player dieser Zeit. Auch wenn der wirtschaftliche Boom seit geraumer Zeit zumindest nicht mehr durch die Decke geht, ist der Boom in Sachen Wein seit Jahren auf Höchstniveau.
„Die Menge an Wein, die für den chinesischen Markt benötigt wird, wird weltweit nicht produziert.“ Und dieses Statement macht vieles klar. Den Hunger der Chinesen. Den Hunger nach Wein. Den Hunger nach großen Weinen.
So wird Red Obsession im „zweiten Teil“ des Films schließlich eine Art Lehrstunde in Sachen Wein und Wirtschaft, Wein als Luxusgut, Wein als Wertanlage und Wein als Objekt der Begierde.

Ein Film, der besonders sehenswert ist, da er neben dem Genuss einen ganz essentiellen, omnipräsenten Faktor herausstellt, den wir in Europa und überall auf der Welt zu spüren bekommen. Lehrreich, eindrucksvoll, unheimlich informativ.

SOMM – Into the Bottle

Erscheinungsjahr: 2016
Herkunftsland: Frankreich, Italien, USA, Spanien, Deutschland
IMDb: 7,3/10

Wir wandern in das Jahr 2016 und befinden uns somit drei Jahre nach Erscheinung des ersten Teils von SOMM. Dem Film, der mich so angefixt hat, dass ich Artikel über Weinfilme schreibe.

Drei Jahre später, andere Handlung und anderes Setup, zum Glück – ich habe mich wirklich gefreut – sieht man eine Reihe der „altbekannten“ Gesichter aus dem ersten Teil wieder. Spannend ist zu sehen, wie sie sich seit dem bestandenen oder auch nicht bestandenen Master Sommelier-Diploma weiterentwickelt haben. So ist beispielsweise DLynn Proctor – ich feier’ den Mann aufgrund seines Kleidungsstils und seiner Coolheit extrem – zwischenzeitlich als Markenbotschafter beim australischen Riesen Penfolds, andere etablieren eine eigene Marke am Markt, wieder andere bleiben der Gastronomie treu.
Handelte der erste Teil ausschließlich vom Master Sommelier-Diploma der Jungs, möchte man im zweiten Teil tiefer auf die Materie Wein eingehen und dem Zuschauer möglichst viele Facetten des Themas aufzeigen. Über die 90 mins werden „10 Flaschen Wein geöffnet“, die bildlich für zehn verschiedene, essentielle Aspekte der Weinwelt stehen. Ob der Winzer, der Jahrgang, die Geschichte, die Herstellung der Tropfen – eine sehr spannende, sehr gut veranschaulichende Idee das Ganze zu betrachten.

Auch im zweiten Teil darf der entsprechende Cast von einerseits hochkompetenten, andererseits wahnsinnig sympathischen Menschen nicht fehlen, die durch ihre Art, ihre Leidenschaft und Begeisterung für den Wein Werbung für und schlichtweg Lust auf Wein machen. Das sind sowohl die Protagonisten aus Teil 1, als auch Winzer aus den unterschiedlichsten Weinregionen unseres Planeten – hochgradig informativ!

Übrigens: Es wurde auch in Deutschland gedreht – bei welchen Winzern? Einfach mal reinschauen!
Übrigens 2.0.: Teil 3 coming soon! Bereits vollständig abgedreht – nun in der Postproduktion.

Author

Björn Bittner ist der Gründer von Bjr Le Bouquet. Seine Artikel beschäftigen sich mit den Themen Wein, Essen und Reisen. Ob Verkostungsnotiz, Restaurant-Bericht oder Einblicke in die letzte Weinreise - hier findet ihr alles was Björn bewegt.

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