Verkostungen

Vega Sicilia Unico: Giganten aus dem Ribera del Duero

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Der Vega Sicilia Unico Gran Reserva aus 1968 – frisch verkostet. Einfach weiterlesen!

Spanien ist in Sachen Hektar Rebstöcke die Nummer 1. Wer jedoch denkt, dass es in diesem kulinarisch höchst wertvollen Land nur Massenweine gibt, hat weit gefehlt. Für mich gelingt Spanien ein wunderbarer Spagat zwischen einfachen, aber sehr trinkigen Weinen und der internationalen Champions League. Natürlich gibt es auch dazwischen unglaublich viel, was es sich zu probieren lohnt.

Wie jedes Weinland und wie auch jede Weinregion der Welt, gibt es eigentlich überall bestimmte Weine, die eben diese international präsentieren und verkörpern – Wein-Ikonen. In Australien mag dies der Grange von Penfolds sein, im Bordeaux die Premier Grand Crus und und und.

Ribera del Duero – Bekannt für seine Rotweine

So natürlich auch in Spanien – hier relevant – im Ribera del Duero. Gemeinsam mit dem Rioja und Priorat gehört das 1982 offiziell gegründete Ribera del Duero zu den hochkarätigen Weinbaugebieten ganz Spaniens. Mit einer Rebfläche von rund 22.000ha und über 250 Weinproduzenten werden hier knappe 600.000 hl jährlich produziert.
Auf hoch gelegenen Rebflächen wächst großteils Tempranillo, hier auch Tinto Fino oder Tinto del País genannt, der häufig reinsortig vinfiziert wird.

Die Ausnahme ist ein Weingut, das einen Wein herstellt, der international zu den größten seiner Art zählt – der Unico – von der Bodega Vega Sicilia. Und so „einmalig“, wie es der Name schon sagt, ist eben dieser Tropfen auch.

Vega Sicilia bewirtschaftet rund 130ha Rebfläche, von denen rund 100ha mit Tempranillo und die übrigen 30ha mit Cabernet Sauvignon, Merlot und Malbec bestückt sind. Und aus diesem Mix, aus der spanischen Top-Rebsorte und den Bordeaux-Klassikern, vinifiziert man in der Nähe des Ortes Valbuena diese besonderen, einzigartigen Weine.

Die Weine von Vega Sicilia

Das Weingut wurde 1864 gegründet und ist somit älter als das heutige DO Ribera del Duero selbst. Hier werden drei Weine hergestellt: der Valbuena No. 5, dessen Name sich aus dem Ort des Weinguts und seiner Zeit im Fass zusammensetzt und der der Zweitwein des Hauses ist.

An der Spitze steht der Unico, allerdings in zwei „Versionen“. Einmal der Unico als Gran Reserva. Er wird viele Jahre lang in verschiedenen Fässern gelagert und verbringt anschließend noch weitere fünf Jahre auf der Flasche, bevor er schließlich nach mehr als 10 Jahren sein Zuhause verlassen darf, um ein Neues zu beziehen.
Er wird aus rund 80% Tempranillo und je nach Jahrgang, bis zu 20% Cabernet Sauvignon hergestellt, was ihn noch besser macht und von anderen Weinen des Duero-Tals abhebt.

In unregelmäßigen Abständen und besonderen Jahren entschließt man sich im Hause Vega Sicilia dem Unico nochmals „einen“ draufzusetzen. Dies ist dann der Unico Gran Reserva Especial. Beim Especial lässt sich neben großem Wein auch Marketing finden. Der Especial wird aus drei absoluten Top-Jahrgängen cuveetiert und erscheint auf 15.000 Flaschen limitiert. Schnell zugreifen heißt es also, wenn man sich von diesem sehr raren Boliden die ein oder andere Flasche sichern möchte.
Sehr spannend und die Tradition wahrend ist die Tatsache, dass bei Vega Sicilia die Kunden Vorkaufsrecht haben, die auf der 4300 Namen starken Kundenliste stehen, die seit 90 Jahren gepflegt wird. Über 5000 Namen warten auf diesen Ritterschlag direkt vom Weingut beziehen zu dürfen und müssen sich somit gedulden.

Vega Sicilia Unico Gran Reserva 1968 – VKN

Zum Glück gibt es Auktionen. So kann man auch ohne auf der Kunden- oder Warteliste zu stehen, noch sehr rare Flaschen dieses Giganten erstehen. Dennis war so extrem großzügig und droppte diese Bombe zu einem guten Stück Ribeye.

Der Füllstand lag zwischen Into Neck und High Fill, die Flasche war auch sonst in perfektem Zustand, ebenso der Korken, der nur sehr wenig Flüssigkeiten gezogen hatte – nach 50 Jahren!

Im Glas sehr dicht, tiefes Granatrot, am Rand orange-braun.

Der Wein war anfangs noch recht verschlossen, öffnete sich in den voluminösen Bordeaux-Gläsern jedoch von Minute zu Minute.

In der Nase dominierte die Frucht von Kirsche. Eine wahnsinnig saftige, perfekt reife Kirsche, die uns Dreien noch beim Nase nehmen ein Strahlen auf das Gesicht zauberte. Wir waren begeistert, schlichtweg umgehauen von der Kraft, der Frische, der Form dieses Ausnahmeatheleten. Wenn man diese Kirsche, in die man fast schon reinbeißen konnte, kurz ausblendete, fand sich noch einiges mehr: Pflaume und dunkle Beerenfrucht, feine erdige Noten, würzige Anklänge, etwas Tabak und Ledersattel. Allerdings war dies kein alter, schon poröser Ledersattel, sondern ein intakter, gut gepflegter Ledersattel ohne Einrisse. Einer meiner Freunde würde am Wein riechen, „Ledersattel…“, nochmals riechen, „…eingeritten…“, nochmals riechen, „…von einer Frau…“, und nach nochmaligem Riechen, „…ohne Höschen“.
Überwältigend war neben der Frische und Jugendlichkeit der Nase, die Feinheit und Eleganz, die von Kraft und Vitalität untermalt wurde

Am Gaumen ging das Feuerwerk der Sinne weiter. Zwar nicht mehr ganz so jugendlich wie in der Nase, aber lange keine 50 Jahre alt. Ebenfalls Kirsche, Pflaume und dunkle Beerenfrucht, wobei erdige Aromen, Leder und Würze gleichauf präsent waren. Das Mundgefühl war wahnsinnig angenehm, rund und weich. Klar, komplex mit eleganter Struktur, gereiften Tanninen, die perfekt eingebunden waren, wie auch die Säure. Und das Ganze wird auch nach 50 Jahren noch mit enormer Kraft untermauert.

Das Finish war >55 Sekunden und wurde begleitet von erdigen Noten, war würzig und herrlich saftig.

Dieser Wein war zweifelsohne ein Gigant. Ein Wein, der nach 50 Jahren zeigt, was ÚNICO damals war, heute ist und hoffentlich immer bleiben wird. Unfassbar.
Vielen Dank, Dennis!

Vega Sicilia Unico Gran Reserva 2004 – VKN

Ich war zunächst überrascht, ist der 2004er Jahrgang vom Unico im WinesearcherPro mit durchschnittlich 94 Punkten beziffert. Dabei vergibt Jancis Robinson 18/20. Und auch wenn Jancis lange nicht so großzügig punktet wie andere, war ich erstaunt, da mir eine Reihe wissender Weinmenschen die Größe bis Riesigkeit des 2004ers bescheinigten.
Um das Ganze kurz aufzuklären: Jancis vergab für den 2004er Unico 19,5/20, der Decanter 100, womit sich das relativiert. Keine Ahnung was da beim Winesearcher los ist. 

So war 2004 laut Präsident Pablo Alvarez  ein Bilderbuch Jahrgang für Vega Sicilia, und somit auch für den mighty UNICO. Perfekt ausgereifte Trauben dank vieler sonniger Tage, ausreichende Wasserversorgung genau dann, wenn sie benötigt wurde. Der Rest liegt somit beim Winzer und das dieser aus perfektem Traubenmaterial keinen großen Wein auf die Flasche bringt, scheint nahezug unmöglich. So ist das auch hier. 

Der Unico wurde rund drei Stunden vor dem Genuss im Restaurant dekantiert, weshalb ich hier keinen Eindruck vom frisch geöffneten Wein abgeben kann. 2004 enthält 87% Tempranillo und 13% Cabernet Sauvignon.
Im Glas gewohnt dicht, purpur bis kaminrot. 

Mit der ersten Nase macht sich das hier gerade, just in diesem Moment von mir eingeführte „Unico Smile“ auf dem Gesicht breit. Genau das erwartet man von diesem Boliden. Dicht, konzentriert, intensiv und dabei fein und klar. Kein Fett – nur pure Schönheit.
Omnipräsent und zunächst überwältigend steigt die dunkle Frucht von schwarzer Kirsche, Brombeere und gedörrten Zwetschgen die Nase hoch. Dazu kommen Tabak, Cassis, ganz frisches, fast feuchtes Zedernholz, etwas Lakritz und erdige Noten.
Würde ich es dabei belassen, würde viel, sehr viel von diesem Wein verloren gehen.
Der Unico ist so reich, so saftig und so kraftvoll in der Nase, dass es anmacht. Aber eben nicht mit der Brechstange, sondern mit der Gewissheit was er kann, dabei aber gleichzeitig seine, vielleicht nichtweibliche, aber zurückhaltende Seite offerierend.

Das diese Weine Langstreckenläufer sind – wie der oben beschriebene 1968er bestätigt – ist klar und bekannt, reift der 2004er einfach mal 83 Monate im Weingut bevor er auf die Flasche gezogen wird. Und so erkennt man auch hier nahezu keine Alterungsnoten, dafür eine tolle Balance in Nase und am Gaumen.

Am Gaumen knallt es dann weiter, wenn auch noch zurückhaltend und er vermuten lässt, das da einfach noch etwas Zeit gefragt ist. Volle Frucht, etwas erdig, wieder frisches Zedernholz, Pfeffer und Lakritz. Alles ist wunderbar miteinander verwoben und ausbalanciert, samtig weich und in höchstem Grade deliziös. Der Trinkfluss ist leider auch enorm, weshalb man bei der Eintel echt sparsam mit den Schlücken umgehen muss. Damn!

Das Finish lässt mich den Wein in guter und klarer Erinnerung behalten. Genug Zeit ist ja da um sich den Unico bei dem weit über eine Minute reichenden Finish genau einzuprägen. Voller Druck, Kraft und Autorität.  Würzig, pefferig mit dunkler Frucht verabschiedet er sich nach und nach und ich weiss: Man hat etwas Gutes getan. Man hat Kunst in sich aufgenommen. Man ist jetzt besser.

Björn Bittner ist der Gründer von Bjr Le Bouquet. Seine Artikel beschäftigen sich mit den Themen Wein, Essen und Reisen. Ob Verkostungsnotiz, Restaurant-Bericht oder Einblicke in die letzte Weinreise - hier findet ihr alles was Björn bewegt.

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