Das Weinbaugebiet Ribera del Duero in Spanien steht für hochwertige, kraftvolle Weine aus der Tinta de Pais – oder auch Tempranillo – Traube. Die Weine der Region gehören zu den führenden Tropfen des Landes und stellen einige der hochwertigsten Weine der ganzen Welt. Zu erwähnen wäre dabei der “Unico” aus dem Hause Vega Sicilia, der nicht nur Jahr für Jahr zu den teuersten Weinen des Landes, sondern auch zu den bestbewerteten Weinen zählt. Ich selbst bin riesiger Unico-Fan und zähle ihn zu meinen absoluten Lieblingen.

Aufgrund seines wirklich hohen Preises gehören Weine wie der Vega Sicilia Unico natürlich nicht zum “typischen” Rotwein aus Ribera del Duero, den man “mal so” im Keller hat und bei dem Verlangen nach einem spanischen Rotwein einfach so entkorkt. Da trifft es sich gut, das es in der Region 307 Winzer gibt, die sich natürlich allesamt ihrer Region und einer gewissen Charakteristik verschrieben haben. Ich bezeichne diesen Stil, den ich sehr schätze, eine Symbiose aus Kraft und Eleganz. 

Durch den Tempranillo finden wir fast immer sehr aromatische Weine, die durch den üblichen Holzeinsatz eine weitere Dimension und entsprechend Aromen erhalten. So finden sich neben den klassischen Aromen von dunkler Frucht, Vanille, Rauch oder Zedernholz in den Weinen wieder. Die Intensität dieser “sekundären” Aromen ist dabei ganz individuell und liegt im Ermessen des Winzers, der zu entscheiden hat, wie lange welcher Wein im Holz liegt und somit Zeit hat die Aromen anzunehmen. 

Die im folgenden beschriebenen Weine zeigen einen Querschnitt durch die vinophile Landschaft an den Ufern des Duero-Flusses und bietet den richtigen Wein für jeden Geschmack, für jeden Gaumen. Angefangen beim frisch-fruchtigen Rosé für sommerliche Abende vor dem Grill, fruchtige, bereits früh wunderbar zu trinkende Jovenes, ein Jahr im Holz gereifte Crianzas die sich zu diversen Speisen als perfekter Begleiter erweisen oder schließlich die Reservas, die sowohl als Speisenbegleiter als auch als Solist brillieren. 

Weine und Verkostungsnotizen

Rosado

Tamaral Rosado 2019 – Bodegas y Vinedos Tamaral

Der einzige Rosado – also Rosé – in der Verkostung kommt von der Bodega Tamaral, ist taufrisch aus dem Jahrgang 2019 und ein reinsortiger Tempranillo. Im blassen Pink erstrahlt der Rosé im Glas. Hält man sich die Aromatik eines roten Tempranillo vor Augen, finden sich diese Aromen in diesem erfrischenden Rosé wieder. Rote Kirsche, Himbeere und Erdbeeren, zum richtigen Zeitpunkt gelesen, keinesfalls zu reif, dazu etwas Toast und Zitronenzeste. Der Gaumen ist saftig, der Rosé selbst mit robustem, aber nicht überladenen Körper ausgestattet. Wie es sich für einen Rosé gehört ist die Säure präsent, animierend und gut eingebunden.

Jóvenes Sin o Con Barrica

Finca Villacreces Pruno 2018 – Bodegas Izadi

Die Cuvée aus Tempranillo und Cabernet Sauvignon von der international bekannten Bodega wird als Joven bezeichnet und verbrachte im Gegensatz zu anderen “Jovenes” rund 12 Monate im Holz, und das merkt man. In der Nase zeigen sich Noten von dunklen und roten Früchten. Da sind reife Brombeeren, Himbeeren und schwarze Kirsche. Unterlegt wird die im Pruno von sekundären Aromen wie Vanille, Rauch, Gewürznelke und Leder. Der Gaumen ist rund, kraftvoll und schön ausbalanciert. Eine würzige, reife Frucht trifft sich hier mit weichem Tannin und einer angenehmen Säure. Alles ist gut ausbalanciert und hält im Finish mittellang an.

Preludio de Sei Solo 2017 – Sei Solo Bodegas y Viñedos

Dieser hochwertige Joven ist ein reinsortiger Tempranillo und verbrachte 17 Monate in französischem Holz, also ganze fünf Monate länger als vom Verband vorgeschrieben. 

Blind würde ich ihn wohl als Crianza zuordnen. Reife, saftige schwarze Kirsche und Brombeere, Gewürznelke und Lakritz, Tabak und feine Vanille Noten. Am Gaumen ist er getreu der Region und Traube dicht, intensiv und kraftvoll, ohne fett zu sein. Bereits jetzt wirken die verschiedenen Komponenten wie Tannin und Säure recht harmonisch, werden aber in den nächsten Jahren noch mehr zu einer Einheit verschmelzen. Wie viele der hier von mir verkosteten Weine sind noch wirklich jugendlich und haben noch einige Jahre vor sich – so auch der Preludio de Sei Solo!

Crianzas

Condado de Haza Crianza 2017 – Alejandro Fernández

Die Crianza von Alejandro Fernandez ist ein reinsortiger Tempranillo, oder auch Tinta del Pais. Obwohl eine Crianza den Regularien der DO Ribera del Duero nur zwölf Monate im Holz liegen muss, entscheidet man sich für den Condado de Haza aus 2017 für ganze 18 Monate. Gut tun ihm die extra sechs Monate! Tief und in dunklem Rubinrot zeigt sich die Crianza im Glas. Die Nase ist wirklich klassisch und so, wie es ein Tempranillo-Fan haben will: Dicht, kraftvoll, mit reifer Frucht von Brombeere, saftiger und schwarzer Kirsche. Dazu gesellen sich Leder, Zedernholz, etwas Tabak und Nelke. Der Gaumen ist genauso klassisch und paart Kraft und eine gewisse Eleganz. Schmeichelnd und gut strukturiert, dabei würzig und sehr gut balanciert.

Reservas

Heredad de Peñalosa Reserva 2015 – Bodegas Pascual

Dieser reinsortige Tempranillo oder Tinta del Pais verbrachte ganze 24 Monate im Holz, obwohl eine Reserva laut Verband “nur” mindestens 12 Monate im Holz liegen muss. Weitere 12 Monate reifte er im Keller der Bodega Pascual. Die Bodega Pascual hat eine ganze Reihe wirklich alter Reben – älter als 60 Jahre – und lässt einige dieser Trauben in ihre Reserva einfließen, und verleiht dieser eine besondere Tiefe. Klassisch, kraftvoll und gleichzeitig eleganz zeigt sich diese Reserva in der Nase und am Gaumen. Reife Kirschen, Pflaume, Brombeeren und ein Hauch von Tomate finden sich in der Nase neben Tabak, feinen Vanille Noten, Zigarrenkiste und etwas Gewürznelke. Am Gaumen ist der Wein sehr schmeichelnd, rund und bringt eine sehr angenehme Eleganz mit. Die Säure- und Tanninstruktur geben ihm noch viele Jahre Potenzial.

Viña Pedrosa Reserva 2016 – Perez Pascuas

Ein Klassiker, den ich bereits das ein oder andere Mal auf Veranstaltungen präsentieren durfte. Die Reserva ist eine Cuvée aus Tempranillo und Cabernet Sauvignon und ruhte 24 Monate im Holz, 12 weitere im Keller der Bodega und bringt heute und noch viele Jahre eine Menge Spaß ins Glas. Auf bis zu 800m Höhe wird hier gearbeitet und erlaubt es, aus dem tollen Jahrgang 2016 eine langlebige, authentische und individuelle Reserva auf die Flasche zu bringen. Die würzige und dunkle Frucht präsentiert sich reif, aber nie überreif und vereint eine gewisse Frische mit der Dichte und Kraft des Tempranillo. Die Tannine sind fein und charming, die Säure genau richtig dosiert um ein weiteres Glas einzuschenken. Ob zu spanischem, gereiften Käse, in Kräutern marinierten und anschließend gegrillten Lammkoteletts oder solo – wunderbar.

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