Berichte

Plaimont – Hand in Hand mit der Natur

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Weinentdeckungen aus dem Südwesten Frankreichs – Ein Besuch bei der Winzergenossenschaft Plaimont in Saint Mont.

Lernt man außergewöhnlich aussehende und auch schmeckende Weine aus dem Südwesten Frankreichs beim Dinner mit einem Freund und Champagnerwinzer kennen, müssen sie etwas Besonderes sein. So geschehen letztes Jahr an einem knackig kühlen Wintertag in Reims. Wir saßen in einem meiner liebsten Restaurants und suchten den passenden Wein zum gegrillten T-Bone Steak aus. Er entschied sich für etwas mir bis dato unbekanntes Rotes aus dem Südwesten Frankreichs.

Die Flasche kam mit einem ungewöhnlichen Auftritt an den Tisch. Sie hatte zwar die klassische Form einer Bordeauxflasche, hob sich mit ihrer restlichen Erscheinung jedoch klar vom handelsüblichen Rotwein ab. Die Wachskapsel gibt die Farbe an – rot. Das Etikett – wenn man es denn so nennen kann – ist ein kleines, mit Draht und Wachs an der Flasche befestigtes Schild aus Holz, das alle nötigen und relevanten Informationen auf sich trägt. Ich fand es großartig. Doch worum es sich bei diesem Wein genau handelte, erfahrt ihr später.

Für mich ist der Südwesten Frankreichs eine einigermaßen unerschlossene Region und in meinem Keller – noch – recht unterrepräsentiert. Beschäftigt man sich mit dem Südwesten Frankreichs, der historisch und geografisch zu den ältesten Regionen des Landes zählt, dauert es nicht lange und man hat die wohl bekannteste Anbauregion dieser Gegend auf dem Zettel: die Gascogne und damit auch die Weine der Winzergenossenschaft Plaimont.

Plaimont Saint Mont Genossenschaft Le Faite
Karte der Gascogne rund um Plaimont

Die Gascogne ist ein historischer Landstrich im Südwesten Frankreichs, der sich zwischen der Garonne im Westen und den Pyrenäen im Süden erstreckt. Die wichtigsten Appellationen sind Saint Mont, Madiran und Pacherenc du Vic-Bilh.
Außerdem gibt es Landweine der IGP Côtes de Gascogne. Die Reben wachsen auf einer Höhe von 150 bis 300 m und sind vielfach nach Süden ausgerichtet.

Saint Mont Le Faite Plaimont Vignerons

Plaimont – Authentische Weine aus dem Südwesten Frankreichs

Im Herzen dieser Region gibt es eine Erfolgsgeschichte, die Mitte der 1970er begann, bis heute andauert und zur Bekanntheit dieser Region erheblich beigetragen hat: die Gründung der Winzergenossenschaft Plaimont. Andre Dubosc, seines Zeichens Winzer in der dritten Generation, nahm sich vor rund 40 Jahren zum Ziel, die Region, ihre Weine und ihre Herkunft “groß rauszubringen”.

Gemeinsam mit befreundeten jungen Winzern, die ebenfalls großen Wert auf Qualität und Herkunft legten, wollte man die Region vorantreiben. Man versuchte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – und damit sind die natürlichen Gegebenheiten der Gegend gemeint – das bestmögliche Resultat auf die Flasche zu bringen. 

Seit 1978 haben sich nunmehr 800 Winzer zusammengefunden, deren gemeinsame Rebflächen sich über rund 5300 Hektar erstrecken und die mit ihren Weinen zahlreiche Auszeichnungen und Errungenschaften verzeichnen können. Zu den angeschlossenen Kellereien von Plaimont gehören Plaisance, Aignan, Saint-Mont – mit “PL“, „AI“ und „Mont“ die Namensgeber der Genossenschaft – dazu kamen später die Kellereien in Condom und Crouseilles. 

Auch die große Anzahl alter Schlösser und Landschaften, die heute im Besitz der Winzergenossenschaft sind, zeigen, dass sich Plaimont sehr für die Region und den Erhalt dieser einsetzt. Sie wurden oft hochwertig restauriert und tragen das kulturelle Vermächtnis der Gascogne in sich.

Unter den Weinkennern der Region im Südwesten Frankreichs ist Plaimont, neben seinen außergewöhnlich spannenden – und eben auch außergewöhnlich “verpackten“ – Weine, für ihre ursprüngliche und sehr naturverbundene Arbeit bekannt. 

Für Plaimont und die Winzer sind Nachhaltigkeit, das Besinnen auf Tradition, wie auch Innovation essenziell und in ihrem Schaffen fest verankert. Dazu zählt auch ein Ansatz, der nur in dieser Art nur selten verfolgt und praktiziert wird. Daher erhielt und erhält Plaimont für eben diesen internationale Bekanntheit und Ansehen:
Nämlich die Liebe und Leidenschaft für das Arbeiten mit alten, autochthonen Rebsorten der Region und insbesondere deren Erhalt und Schutz im Wandel der Zeit.

Domaine de Cassaigne Chateau Arricau-Bordes BJR Le Bouquet

Hauseigene Ampelographie bei Plaimont

Wie bereits erwähnt hat sich Plaimont den Erhalt und Schutz der regionalen Rebsorten auf die Fahne geschrieben. Im Pyrenäenvorland, wo sich die Rebflächen von Plaimont befinden, existiert eine enorm große Vielfalt an Rebsorten, die allesamt im Conservatoire ampélographique de Saint Mont zusammengetragen wurden. 

Die Ampelographie bezeichnet einen Teilbereich der Önologie, der sich mit der Bestimmung und Kategorisierung von Rebsorten befasst. Zur finalen Bestimmung einer Rebsorte werden über 100 Merkmale zu Rate gezogen. Das kann sich als äußerst diffizil herausstellen, da sich zwei Rebsorten oft nur um Nuancen unterscheiden. Dazu gehören u.a. die Form des Blatts, die Form der Traube, die Größe der Beeren und das Aromenprofil.

Insgesamt gibt es bei Plaimont eine „Bibliothek“ von sage und schreibe 116 Rebsorten, von denen 27 durch aufwendige Forschung bestimmt werden konnten.
Weitere 33 dieser Rebsorten wurden bis heute nicht identifiziert und werden weiterhin Untersuchungen zur Bestimmung unterzogen. Neben der Bestimmung der unterschiedlichen Rebsorten und deren DNA steht auch die Beobachtung dieser “im Weinberg” im Fokus. 

So wird die gleiche Rebsorte auf unterschiedlichen Untergründen kultiviert und ihr Wachstum und Aromenprofil im Wein dokumentiert, in sogenannten Mikro-Vinifizierungen. Durch diese ausführlichen und über lange Zeiträume stattfindenden Aufzeichnungen werden essenzielle neue Erkenntnisse gewonnen.

Plaimont Saint Mont Le Faite Bjr Le Bouquet

Nachhaltigkeit für langfristigen Erfolg

Wer solch einen Aufwand betreibt wie Plaimont mit der Rebenkunde, arbeitet nich nur mit der Natur zusammen, sondern behandelt diese darüber hinaus auch mit großem Respekt und besonderer Wertschätzung. Dazu zählt auch der Erhalt der uralten Prä-Phylloxera-Reben, die bis heute im Besitz von Plaimont sind.
Phylloxera bezeichnet die Reblaus, einen Käfer und eine in der Historie einzigartig schlimme Krankheit der Rebstöcke, die im 19. Jahrhundert aus Amerika nach Europa eingeschleppt wurde. Der kleine Käfer befiel die Wurzeln der Reben und zerfraß diese. Im Gegensatz zu anderen Schädlingen war die Reblaus nicht mit Chemikalien behandelbar. Somit blieb den Winzern nichts anderes übrig als die Rebstöcke zu roden und mit gegen die Reblaus immunen, amerikanischen Reben zu arbeiten. “Prä-Phylloxera” sind nun die Reben, die bereits vor dieser Plage standen, diese überlebt haben und bis heute als uralte Reben in wenigen Weinbergen der Welt stehen.

Darüber hinaus ist die schrittweise Reduzierung von chemischen Pflanzenschutzmitteln von hoher Relevanz für die Winzer. Durch eine Reduzierung solch naturferner und nicht gesunder Stoffe wird die Arbeit im Weinberg nachhaltiger und legt den Fokus auf die sukzessive biologische Ausrichtung der Rebflächen für einen langfristigen, natürlichen Erhalt dieser mit entsprechend hoher Qualität.

Ein weiteres Thema, das gerade in der sogenannten “Wein-Szene” sehr präsent ist, sind die “Natural-Weine” und der damit verbundene Produktionsschritt des Schwefelns von Weinen. Dieses seit einiger Zeit im Fokus vieler Debatten stehende Thema des Schwefelns ist ebenfalls ein Aspekt, dem sich Plaimont zugewandt hat.
Auch hier betreibt man bei Plaimont verschiedene Versuche zur Steigerung der Qualität und Penetration aktueller, relevanter Themen.

Ausblick

Wie eingangs schon erwähnt, haben es mir besonders die Weine mit den hölzernen Etiketten wirklich angetan. Deshalb werde ich mich in den kommenden Wochen sowohl dem weißen als auch dem roten “Le Faîte” widmen, die Weine verkosten, ausführlich beschreiben und portraitieren. Natürlich ist der Faktor Terroir ein elementarer bei der Produktion ursprünglicher Weine, weshalb ich den Boden, auf dem die Reben stehen, wie auch das Klima, dem die Reben ausgesetzt sind, dezidiert beleuchten werde.
Natürlich landen in diesem Rahmen noch weitere Weine von Plaimont im Glas – doch dazu später mehr!

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