Berichte

Krug Clos du Mesnil 2002 – Ein Endgegner

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Jeder der sich ein wenig tiefer mit dem royalen Schaumwein aus Frankreichs Nord-Osten beschäftigt, weiß, dass die kleine, in Reims beheimatete Maison Krug die Benchmark in Sachen Champagner ist. Dabei rede ich nicht nur vom Flagship des Hauses, sondern vom gesamten Portfolio, das sich von der Grande Cuvée, über den Krug Rosé, Krug Vintage, Krug Clos du Mesnil und Krug Clos d’Ambonnay erstreckt. Kein anderer Produzent legt so viel Akribie in die Herstellung der “einfachen” Basisqualität, die sich entsprechend herausragend präsentiert – die bei Krug sogenannte Grande Cuvée. 

Clos du Mesnil & Clos d’Ambonnay

Und auch kein anderer hat so prestigeträchtige Lagen wie die Maison Krug, die mit zwei absoluten Wahrzeichen, Ikonen, gar außerirdischen Lagen in ihrem Lagen Portfolio aufwartet: Clos du Mesnil und Clos d’Ambonnay. Wenig ist seltener, nichts ist teurer als die Champagner aus diesen Lagen, die zum einen dem Chardonnay (Clos du Mesnil), zum anderen dem Pinot Noir (Clos d’Ambonnay) huldigen. 

Heute geht es um den Blanc de Blanc, den Clos du Mesnil, den ich über zwei Tage mit meinem guten Freund Robert verkosten, genießen und erleben durfte. Genauer gesagt der 2002er Vintage des Clos du Mesnil, alle Trauben kommen also aus dem Jahr 2002. Ein warmes, trockenes Jahr, in dem die Trauben im August mit Regen kämpfen mussten, gefolgt von recht warmen Temperaturen, anschließenden Gewittern und Regen bis in den September, der schließlich klare, optimale Verhältnis bis und während der Lese mit sich brachte. 2002 wird sich als eines der größten Jahre in der Champagne einreihen und knüpft an das trockene Jahr 1996 an. 

Entsprechend konnte Krug hier aus dem Vollen schöpfen und erfreute sich perfekt ausgereifter Trauben in der Monopollage Clos du Mesnil. Diese erstreckt sich über gerade einmal 1,84 ha innerhalb der Ortsgrenzen des kleinen, für seine Chardonnay-Lagen weltweit bekannten Dorfes Le-Mesnil-Sur-Oger. Eingemauert, selbstverständlich. Nicht die Stadt, sondern die Lage. Eine kleine Mauer (Clos=Mauer) umrahmt die Monopollage, welche die Parzelle schützt und ihr diesen besonderen Namen beschert schon seit 1698.

Ich nehme die Flasche aus dem Kühler, entferne die Kapsel, anschließend den Korb, bewege die Flasche vorsichtig mit der linken und halte den Korken mit der rechten Hand fest. Nach ein paar Sekunden ist der Korken raus, es gibt keinen Laut und noch viel wichtiger, man verliert keinen Tropfen. Beim Öffnen sage ich noch: “Stell dir vor, das Ding schäumt und ein Drittel der Flasche verteilt sich aufm Tisch”. Ein absolutes Horrorszenario, das mich diese in Silber-Minze getauchte, schon Ehrfurcht erweckende Flasche mit absoluter Konzentration hat öffnen lassen. Denn: Bei einem Flaschenpreis von 1000€ geht ein Glas oder mehr, das nicht ins Bordeaux-Glas entrinnt, ans Eingemachte. Also: Clos du Mesnil vor Gebrauch nicht schütteln! Safety 1st.

Über gute zwei Stunden am ersten Abend und eine weitere Stunde am zweiten Abend erleben wir dieses Monument aus fermentierten Chardonnay-Trauben. Wenn man immer wieder hört das “Blanc de Blancs einfach nicht die Vielschichtigkeit von Champagner mit Chardonnay, Pinot Noir und Meunier haben kann”, sollte man einfach einen Schluck dieses Zaubertranks unter die Nase desjenigen halten – er braucht nicht mal zwingend probieren. Dieser Wein setzt diese Aussage komplett außer Kraft und ich möchte sie nicht mehr hören. 

Clos du Mesnil 2002 – Verkostungsnotiz

Im Glas zeigt sich der Clos du Mesnil in einem strahlenden, leuchtenden zitronengelb mit ultra-feiner Perlage.

Die erste Nase lässt nicht viel mehr als ein “Wow!” zu. Kurz sammeln und wieder reinhalten den Rüssel: Zunächst ist da diese typische Krug-Nase mit Zitrone, feinstem Brioche und leichter Oxidation. Dahinter rauchige Noten, grüner Apfel und frisch gebrannte Mandel. Am Gaumen zeigen sich Aromen von unfassbar feiner, klarer Zitrone, etwas Kreide und feine Würze, die allesamt von einer sehr knackigen Säure getragen werden.

Man fragt immer nach der Länge eines Weines, der die Qualität bemessen soll. Hier ist es schwierig, den Geschmack aus dem Mund zu kriegen. Und das ist wunderbar. 

Seit dem ersten Glas hat sich dieser Göttertropfen entwickelt: ein Korb gemischter Äpfel, unglaublich klarer, weißer Pfirsich und Mandarine stehen jetzt in einer Reihe mit Zitrone und Brioche. Dahinter zeigt sich etwas Karamell. Untermalt wird die Nase von nassen Steinen. Wunderbar, vielschichtig, intensiv und dabei lassen sich die Aromen trotzdem wahnsinnig klar voneinander trennen und sezieren. Am Gaumen habe ich jetzt einen Junmai Daiginjo – Sake, welcher beim Auftreffen auf die Zungenspitze bis zum Mid-Palate elegant dasteht und dann wieder der Zitrone und Frische Platz macht. Und eben dieser erste “Teil” am Gaumen ist außergewöhnlich elegant, filigran und präzise. Hat er einen gewissen Punkt auf der Zunge überschritten, fühlt es sich an wie eine Welle, die explosionsartig, vor Kraft strotzend Richtung Finish schwappt und den Genießenden ein “Poah, was eine Kraft” ausstoßen lässt. Die Säure ist nicht weniger kraftvoll und stellt eine atemberaubende Spannung am Gaumen her. Das Finish wird noch länger und umschmeichelt den Gaumen für Minuten. Schlichtweg sensationell! 

Nun weicht die frische Zitrusfrucht ein wenig einer gerade aus dem Ofen gezogenen Zitronentarte, Orangenzeste und sogar etwas Lakrids zeigt sich. Weiterhin präsent ist der weiße Pfirsich, die nassen Steine und die gebrannten Mandeln. Was da eine Musik in der Nase ist! Nach einer guten Stunde wirkt die Säure runder und noch besser in den Wein integriert. Hier herrscht eine geniale Balance, die mit der antreibenden Säure dazu beiträgt, dass der Clos du Mesnil einen Trinkfluss hat wie ein 2016er Kabinett. Und dann hält man sich vor Augen, dass diese Trauben vor 18 Jahren gelesen wurden und wie jung, spritzig, frisch das ist was man hier zwischen den Kiemen hat. Spontan fällt mir als Metapher der Eiskunstlauf ein: die anfängliche Eleganz des CdM, wie die Dame über das Eis auf den Herren hinzu schwebt. Die Vermählung und das anschließende, oft kraftvolle, explosionsartige Release (ebenso am Gaumen), bei dem der Mann seine Partnerin in die Luft stemmt, wirft oder wieder freigibt. Je schwieriger und entsprechend wertvoller das Element für die Kür, desto länger wird geklatscht. Da Champagner wohl nicht besser geht, wird man mit diesem minutenlangen Klatschen am Gaumen belohnt. Und auch wenn sich viel bewegt, verschiedenste Komponenten eine Rolle spielen, ist das Gesamtbild von einer Eleganz, Balance, Souveränität, vornehmen Strenge und Liebe zum Detail in unerreichtem Maß gezeichnet. 

Ein Monument! 

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Björn Bittner ist der Gründer von Bjr Le Bouquet. Seine Artikel beschäftigen sich mit den Themen Wein, Essen und Reisen. Ob Verkostungsnotiz, Restaurant-Bericht oder Einblicke in die letzte Weinreise - hier findet ihr alles was Björn bewegt.

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