Düsseldorf.

Von der Spezies der Mode-Blogger und dem vielzitierten Begriff „Social-Influencer“ liest man immer wieder. Es sind Menschen, die für Unternehmen interessant sind, weil sie für einer relevanten Zielgruppe authentisch Einfluss nehmen.

Björn Bitter aus Düsseldorf ist europaweit der erfolgreichste seiner Art beim Thema Wein. Mit EXPRESS spricht er über seine Leidenschaft.

Björn, wie wird man so etwas wie „Wein-Blogger“?

Als „Wein-Blogger“ würde ich mich gar nicht bezeichnen, das Wort ist mittlerweile so abgegriffen. Ich bin eher „Influencer“. Ich beeinflusse Leute mit den Dingen, die ich schreibe und mit dem, was ich trinke. Ich fand Wein zwar schon immer recht interessant, aber so richtig „klick gemacht“ hat es erst Anfang letzten Jahres.

Was war der Auslöser für diese Veränderung?

Ich habe tatsächlich zwei Dokumentationen über Wein geguckt. Das hat mich total angefixt. Seitdem verkoste und probiere ich viel. Vorher habe ich zwar auch mal einen Wein getrunken, aber nicht auf die Hintergründe geachtet. Das ist aber das eigentlich Spannende.

Ganz konkret gefragt: Was sind deine alltäglichen Aufgaben, wie muss man sich einen normalen „Arbeitstag“ bei dir vorstellen?

Das ist derzeit noch unterschiedlich, weil ich aktuell noch an meiner Abschlussarbeit sitze. Nebenbei versuche ich, mich weiter zu professionalisieren. Ansonsten ist der Arbeitsalltag, viel zu trinken und viel zu essen.

Das ist doch ein Traumjob, oder?

Ja, absolut. Ich bespiele dann hauptsächlich Twitter, Facebook und Instagram. Facebook ist für mich aber nicht das Wichtigste, der Hauptfokus liegt auf Instagram. Dort habe ich innerhalb von 16 Monaten eine große Reichweite erzielt.

Das ist tief gestapelt: Du hast aktuell rund 54 000 Abonnenten.

Ja, ich bin der reichweitenstärkste Wein-Influencer Europas und einer der wenigen weltweit, die auch ihr Gesicht zeigen. Die meisten in der Szene posten anonym, zeigt niemals sich selbst. Ich teile nur meinen eigenen Content und zeige Bilder von mir. Ich glaube aber auch, dass das ein Teil meines Erfolgs ist, das ist einfach authentischer. Ich selbst würde zumindest solche Dinge lieber lesen.

An welche Zielgruppe richtest du dich?

Generell bediene ich natürlich eine Nische, dessen muss man sich bewusst sein. Zum Vergleich: Der größte Modeblogger bedient 20 Millionen Follower auf Instagram. Der größte Wein-Influencer weltweit hat 150 000 Follower – das sind ganz andere Dimensionen. Meine Zielgruppe sind einfach Leute, die abends gerne mit Freunden zusammensitzen und einfach Lust auf einen guten Wein haben, der auch zum Essen passt. Hauptsächlich also Leute, die keine Wein-Freaks sind und nicht so tief in der Materie stecken. Aktuell sind das Menschen zwischen 18 und 40. Interessanter Weise übrigens 55 Prozent Männer und 45 Prozent Frauen.

Kriegst du Feedback von den Leuten?

Klar. Ich empfehle oftmals Weine von bestimmten Weingütern. Die Leute melden sich oft später bei mir. Man merkt richtig, dass sie sich dann auch mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Ich gebe aber auch viel Output, das können schon mal bis zu 50 Posts am Tag sein.

Kannst du davon leben?

Wenn ich es extrem auf die Spitze treiben würde, dann könnte ich das. Aber aktuell fehlt dafür noch die Zeit. Generell soll es da aber hingehen.

Wie macht man das?

Vor allem ist erst einmal Bekanntheit wichtig. Je bekannter man ist, desto mehr Firmen und Unternehmen kommen auf einen zu und wollen, dass man Werbung für sie macht. Manchmal gehe ich aber auch auf potenzielle Partner zu. Vieles entwickelt sich mit der Zeit. Mir ist immer wichtig, dass man auch viele Düsseldorfer Produkte in den Fokus rückt. Wir haben hier viele Dinge, die Alleinstellungsmerkmale sind.

Was sind deine Geheimtipps zum guten Weintrinken in Düsseldorf?

 Ich will jetzt keinen vergessen. Im „Rocaille“ in Derendorf kann man sehr gut Wein trinken. Im „485 Grad“ in Flingern ebenfalls. Und im „Eiskeller“ in der Altstadt. Und in letzter Zeit bin ich auch häufiger im „Hyatt“ und im „Steigenberger“, da sitzt man sehr schön.

Trinkst du trotz deiner Liebe zum Wein auch mal ein Altbier?

Ganz ehrlich, ich habe in den letzten zwei Jahren nur drei Bier getrunken. Ich habe fünfmal die Woche Bezug zu Wein – wobei ich oft auch nur koste – aber ich habe mich allem anderen Alkohol mittlerweile entsagt. Wein schmeckt mir einfach am besten.

Was muss man für guten Wein ausgeben?

Grundsätzlich gilt: Wer weniger ausgeben will, der sollte immer eine Flasche bestellen. Das rechnet sich deutlich mehr – und sieht nebenbei auf dem Tisch auch besser aus. Für rund 25 Euro kriegt man in Düsseldorf im Restaurant oder einer Bar eine richtig gute Flasche Wein, an der jeder Spaß haben kann.

Hast du den Eindruck, dass der Wein an sich wieder mehr im Kommen ist und auch für eine jüngere Zielgruppe interessanter wird?

Definitiv! Das war in etwa wie die Fitness-Szene vor fünf Jahren. Da war ein ähnlicher Hype – Wein ist mittlerweile in aller Munde. Die Weinbars sprießen mehr aus dem Boden und auch die Restaurants beschäftigen sich zunehmend damit, die Weinkarte aufzustocken. Das ist aber auch in Düsseldorf besonders stark, weil hier viele Leute sind, die das Thema voranbringen.

Abschlussfrage: Was gehört für dich unverzichtbar zum Wein dazu? Käse oder Schokolade?

Ganz klar Käse. Wenn ich einen Riesling mit einer großen Käseplatte sehe, dann lacht mein Herz!

– Quelle: http://www.express.de/28126772 ©2017

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Björn Bittner ist der Gründer von Bjr Le Bouquet. Seine Artikel beschäftigen sich mit den Themen Wein, Essen und Reisen. Ob Verkostungsnotiz, Restaurant-Bericht oder Einblicke in die letzte Weinreise - hier findet ihr alles was Björn bewegt.

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