Entstehung und Geschichte der Region

Ihren Ursprung hat die Côtes du Rhône, weit vor AOCs und Crus, mit den Griechen rund 600 v.Chr. in der Nähe des damaligen wie heutigen Rhône-Deltas. Sie brachten die ersten Reben aus ihren heimischen Gefilden mit, pflanzten diese in der Nähe ihrer Siedlungen und legten somit den Grundstein für den Weinbau an den Ufern der Rhône.

Natürlich – wie sollte es anders sein – trugen auch die Römer als eifriges Handelsvolk ihren Teil zum Erfolg und der Relevanz der Côtes du Rhône bei. Mit seiner logistisch günstigen Lage mit Anschluss ans Mittelmeer, wurde das Rhônetal schon früh genutzt. So konnte man Waren, die via Schiff über das Mittelmeer transportiert wurden, weiter über die Rhône in den Norden Frankreichs und die angrenzenden Länder transportieren. Die Region trägt bis heute die Spuren des einst römischen Einflusses, weshalb man in den Städten, die nach römischem Vorbild erbaut wurden noch Amphitheater, Aquädukte oder römische Foren finden kann. 

Ein weiterer elementarer Baustein der zur Popularität der heutigen Côtes du Rhône beigetragen hat, waren die Päpste im 13. und 14. Jahrhundert. In dieser Zeit gab es neun Päpste, die allesamt aus der Region um Avignon stammten. Daher lag ihnen die Region sehr am Herzen und sie waren entsprechend interessiert, ihren Aufbau stetig und mit voller Kraft voranzutreiben. Als ausgesprochene Weinliebhaber hatte das Weiterentwickeln der lokalen Weinbaukultur natürlich hohe Priorität. So ließen sie mit Beginn der Amtszeiten neue, hochwertige Weinberge anlegen und mit enormer Sorgsamkeit pflegen. Diese Weinberge um Avignon – darunter der Châteauneuf-Calcernier, der heutige Châteauneuf-du-Pape – gewannen stetig an Qualität und auch an Bekanntheit und sie sind bis heute einige der bekanntesten Weinbaugemeinden überhaupt. 

Von dort aus verkauften sich die Rhône-Weine europaweit und fanden sowohl in Italien als auch England großen Anklang, was ihre Popularität weiter wachsen ließ und das goldene Zeitalter des französischen Weinbaus im 18. Jahrhundert einläutete. Leider folgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Abfolge von Krankheiten, die den Weinbau in Frankreich wie auch an der Rhône selbst zum Erliegen brachten. Am Einschneidensten war dabei sicher die aus Amerika eingeschleppte Reblaus, die sämtliche Rebenwurzeln zerfraß und den Weinbau brachlegte. Da eine “Instandsetzung” der Reben nach der Krankheit nicht möglich war, musste man sämtliche Rebbestände entfernen und neue, amerikanische und somit reblausresistente Rebstöcke pflanzen. Seit dieser Neupflanzung haben sich die bis heute stark vertretenen Rebsorten – siehe unten – durchgesetzt und dominieren die Rebflächen am linken und rechten Ufer des Rhône-Flusses.

Das Terroir – Boden & Klima

Im Süden Frankreichs erstreckt sich die Region Côtes du Rhône über 250km vom nördlichsten Punkt Lyons bis hin zur im Süden gelegenen Stadt Avignon, die immer wieder als das Herz der Côtes du Rhône bezeichnet wird. Auf diesen 250km von Nord nach Süd tut sich eine Menge, vor allem wenn man sich die Geographie, das Klima und deren Auswirkungen auf die Weine und deren Stil anschaut. 

Der Boden auf dem die Reben wachsen ist ein essentieller Bestandteil des großen Ganzen und hat in der Côtes du Rhône seinen Ursprung vor rund 251 Millionen Jahren genommen. Über diese Jahre hat sich ein Mosaik an unterschiedlichen Bodenformationen und -arten ausgebildet. So hat sich der Boden vom Igneouszeitalter, über Jura- und Kreidezeit Oligozän, Miozän bis hin zum Quartärzeitalter stetig verändert und für einzigartige Bodenvielfalt an den Ufern der Rhône gesorgt. 

Wagt man heute einen genaueren Blick auf die Böden, lohnt es sich die Côtes du Rhône in nördliche und südliche Rhône zu unterteilen. Im Norden ist Granit ein “Monopolgestein, und nur dort anzutreffen. Dieser Untergrund bringt strukturierte Weine mit großer Feinheit und guter Säure hervor. Kies und Ton finden sich im Gegensatz dazu sowohl im Norden, als auch im Süden der Region. Auf Kies stehende Reben bringen, ähnlich dem Tonboden, kraftvolle, alkoholreiche und gut lagerfähige Weine hervor. Im Süden sind die Böden vielfältiger als im Norden. Besonders häufig vertreten und demnach dominierend sind Kalkstein- und Sandböden, die die Untergründe der Weinberge zwischen Montelimar und Avignon prägen. Beide Bodenarten stehen für leichtere, frische Weine. Wo der Kalkstein vor allem die Fruchtigkeit, Floralität und Balance hervorhebt, sorgt Sand eher für feine, elegante und schmeichelnde Weine. 

Diese Vielfalt an unterschiedlichen Bodentypen, die oft noch zusätzlich von anderen Gesteinsarten durchzogen sind, erlauben es zum einen, den Reben und schließlich Weinen einen authentischen “Herkunftsstempel” aufzudrücken, zum anderen den Winzern das Ausarbeiten von echten Terroir-Weinen. Diese spiegeln klar ihre Herkunft wider und legen dadurch die Basis für ein strukturiertes Qualitätssystem mit Herkunftsbezeichnung.

Die Appellationen der Côtes du Rhône

Mit 9% der gesamten französischen Weinproduktion und dem somit zweitgrößten Anbaugebiet der Grande Nation, hat die Côtes du Rhône einiges zu bieten. Um diese große Vielfalt – sowohl an Weinstilen, Rebsorten und Terroirs – sinnvoll und einleuchtend unter dem Oberbegriff der Côtes du Rhône zu organisieren, hat man sich eines Appellations-Systems beholfen. 

Da eine Unterteilung in Appellationen besonders für den Weinliebhaber und -trinker von großer Hilfe ist und zum Verständnis der Region beiträgt, wagen wir hier nun einen ausführlichen Blick. In den folgenden Artikeln wird ein besonderes Augenmerk auf die generische Appellation Côtes du Rhône und die Appellation Côtes du Rhône Villages gelegt.

Bereits 1933 wurde die “Appellation d’Origine Controlee” von Winzer und Visionär Baron Le Roy durchgesetzt und regelte als kontrollierte Herkunftsbezeichnung die “Qualitätssicherung” der Weine in der Côtes du Rhône. Zu diesen Qualitätskriterien gelten die klare Abgrenzung des Anbaugebietes, die Zusammensetzung der Rebsorten, die Weinlese, sowie die Einhaltung lokaler Besonderheiten, die Anbaumethoden und der Mindestalkoholgehalt.

Hierarchisch lässt sich diese “Pyramide” in vier Ebenen darstellen. Die Basis und sowohl größte als auch bekannteste AOC, sind die Weine der AOC Côtes du Rhône mit knapp 1,3 Mio Hektolitern pro Jahr. Darauf folgt die AOC Côtes du Rhône Villages mit guten 300.000 Hektolitern jährlicher Produktion. Diese befinden sich ausschließlich im südlichen Teil der Côtes du Rhône.

“Darauf” setzen sich seit 1976 die AOCs Côtes du Rhône, die mit Gemeindenamen angegeben werden. Insgesamt gibt es 95 Gemeinden, von denen jedoch nur 21 mit dem Gemeindenamen auf dem Etikett geführt werden dürfen. Grund dafür ist eine lokale Besonderheit in den jeweiligen Weinen und Stilen. Diese heißen: Chusclan, Gadagne, Laudun, Massif d’Uchaux, Plan de Dieu, Puyméras, Roaix, Rochegude, Rousset-les-Vignes, Sablet, Saint-Andéol, Sainte-Cécile-les-Vignes, Saint-Gervais, Saint-Maurice-sur-Eygues, Saint-Pantaléon-les-Vignes, Séguret, Signargues, Suze-la-Rousse, Vaison-la-Romaine, Valréas und Visan.

Im Gegensatz zu anderen Appellations-Pyramiden ist diese hier nicht starr, sondern flexibel und lässt demnach Bewegungen zwischen den einzelnen Stufen zu.

Wandert man auf der Pyramide weiter nach oben werden die Mengen kleiner, die Qualitäten steigen dafür. So folgen auf die AOC Côtes du Rhône Villages mit Gemeindenamen die 17 Crus der Côtes du Rhône, die sich im Gegensatz zu den AOC Côtes du Rhône Villages auf die nördliche und südliche Rhône aufteilen. Einige, darunter beispielsweise Chateauneuf-du-Pape oder Tavel, haben sich bereits vor Einführung der AOCs zusammengefunden. Andere haben sich über die Jahre aufgrund exzellenter Arbeit und entsprechend herausragender Weinqualitäten von anderen abgehoben. In Zahlen machen diese Crus gerade einmal knapp 15.000 Hektoliter aus. Im nördlichen Teil der Rhône, welcher sich von Lyon bis knapp hinter Valence erstreckt, gibt es acht Crus. Von Norden nach Süden sind das Cote-Rotie, Condrieu, Chateau-Grillet, Saint-Joseph, Hermitage, Crozes-Hermitage, Cornas und Saint-Peray. Der südliche Abschnitt der Rhône, reicht von Montelimar bis hinter Avignon und beherbergt folgende Crust: Vinsobres, Rasteau, Cairanne, Gigondas, Vacqueyras, Beaumes de Venise, Chateauneuf-du-Pape, Lirac und Tavel.

Die Rebsorten der Côtes du Rhône

Denkt man an das Rhône-Tal und seine vinophilen Erzeugnisse hat man in der Regel zunächst die hiesigen Rotweine im Kopf, die sich in unterschiedlichen Facetten präsentieren. Und das ja auch zurecht. Denn der große Teil der hier produzierten Weine ist rot und gibt der Côtes du Rhône deshalb das Image einer “Rotwein”-Region. In Zahlen sind das über 80%. Doch Achtung: Man sollte es in keinem Fall verpassen, auch die übrigen 20% zu probieren, die sich in Weiß- und Roséwein aufteilen. Insgesamt wachsen an der Rhône 21 unterschiedliche Rebsorten. Im Folgenden gehe ich näher auf die vier Roten und fünf Weißen Leitrebsorten der Region ein. 

Rote Rebsorten

Grenache

Hat ihren Auftritt in Rot- und Roséweinen und steuert mit seinem vollen Körper eine gewisse Kraft bei. Dazu gehört auch eine strahlende Fruchtigkeit und weiche Struktur. Aromatisch bewegen wir uns mit Brombeere und schwarzer Johannisbeere im dunklen Spektrum. Typisch ist auch eine feine Würzigkeit von Kräutern und Pfeffer. Tannine und Säure lassen sich als “medium” einordnen.

Syrah

Besonders bekannt für die Weine an der nördlichen Rhône und als Teil der “GSM-Blends” und international sehr beliebt. Sie steht für Eleganz und Kraft und verleiht den Weinen mit ihrer dicken Schale eine tiefe, dunkle Farbe. Aromatisch steuert sie rote und dunkle Früchte wie Johannisbeere, Brombeere und Blaubeere zu. Außerdem – und dafür liebe ich Syrah – eine herrliche Würzigkeit von weißem Pfeffer, Lakritze, Minze und Schokolade. Für die Struktur bringt die Traube viel Tannin und Säure mit sich.

Mourvédre

Eine weitere relevante Rebsorte und ein typischer Vertreter in der “GSM-Blend”. Die Weine zeigen sich dunkel, würzig und kraftvoll mit Aromen von Brombeere und schwarzer Johannisbeere und haben etwas rustikales und fleischiges. Die dickschaligen Trauben verleihen den Weinen viel Tannin und geben der Blend eine gute Struktur. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen sind es kraftvolle, ausladende Weine.

Cinsault

Die leichteste der vier roten Leitrebsorten und prädestiniert für die Roséweine der Region. Weine aus der Cinsault-Traube sind elegant und fruchtig, mit Aromen von Himbeere, roter Johannisbeere und roter Kirsche. Bekannt ist sie außerdem für ihre Floralität und den im Verhältnis zu Grenache, Syrah und Mourvedre leichten Körper und erfrischenden Stil. 

Weiße Rebsorten

Grenache Blanc

Wie der Name bereits verrät, ist sie eine Variation der roten Grenache. Die Weine sind kraftvolle, üppige und körperbetonte Weißweine mit dezenter Säure. Die trockenen Weißweine zeigen Aromen von Birne, grüner Pflaume, Zitrusfrucht und Anis. 

Viognier

Ausschließlich an der nördlichen Rhône anzutreffen, werden aus Viognier hochkarätige, delikate Weißweine auf die Flasche gebracht. Oft im Holz ausgebaut sind die Weine cremig, saftig und besonders komplex. Auf der Fruchtseite finden wir Aromen von Mandarine, Aprikose, Mango, Pfirsich und Quitte. Neben dieser Vielfalt an Früchten zeigen sich florale und würzige Noten wie Veilchen und Akazie. Diese reinsortig ausgebauten Weißweine eignen sich auch für die Lagerung.

Clairette

Typisch für die weißen Rebsorten Südfrankreichs ist eine spät reifende Traube, die Weine von angenehmer Frische und außergewöhnlich hohem Alkohol hervorbringt. Aromatisch dominieren Steinfrüchte wie weißer Pfirsich, Limette und weiße Blüten.

Roussanne

Tritt oft als Cuvée mit Grenache Blanc und Marsanne auf und präsentiert elegante und komplexe Weißweine mit Aromen von Blüten, Aprikose, Zitrone und würzigem Bienenwachs. Durch den Ausbau im Holzfass kommt es gerne zusätzlich zu Noten von Brioche. 

Marsanne

Eine weitere Rebsorte die klassischerweise in Cuvées auftritt. Mit moderatem Körper und eher reduzierter Säure ergeben sich kraftvolle, intensive Weine mit Aromen von Quitte, Aprikose, Mandarine und Akazie. 

Persönliche Lieblinge

Über die letzten Jahre durfte ich eine ganze Reihe Weine der Côtes du Rhône verkosten. Das waren Weine von der nördlichen Rhône, Weine von der südlichen Rhône, lang gereifte Weine aus einer der 17 Crus, frische, früh zugängliche Rotweine der AOC Côtes du Rhône, kraftvolle Speisebegleiter der AOC Côtes du Rhône Villages, sowie intensive Weiß- und Roséweine. Als großer Fan der Syrah mag ich zum einen die sortenreinen Syrahs von der nördlichen Rhône, wie auch die saftigen, kraftvollen Cuvées von der südlichen Rhône. Natürlich sind die Crus als Spitze der Qualitätspyramide die Creme de la Creme der Côtes du Rhône. Allerdings finde ich immer öfter “einfache” AOC Côtes du Rhône und AOC Côtes du Rhône Villages, die in einer Vielzahl an Momenten wunderbar passen und aufzeigen, dass vor allem die Basis dieser Region sehr solide, vielseitig und zu entdecken lohnt. Schon Tavel Rosé zum BBQ genossen?

Ausblick

In den kommenden Wochen werde ich eine ganze Reihe an Weinen der Côtes du Rhône genauer unter die Lupe nehmen. Im Rahmen der “TOP 50”-Weine der Côtes du Rhône werde ich 18 von diesen explizit verkosten und ihre Herkunft, Herstellung und natürlich die Weine als solche auf Herz und Nieren prüfen. Im Fokus stehen dabei zum einen die Weine der gegnerischen Appellation AOC Côtes du Rhône und der Appellation Côtes du Rhône Villages. Verkosten werde ich – dem hohen Anteil an Weinen entsprechend – hauptsächlich Rotweine der Côtes du Rhône. Dazu einige Weißweine und auch einen ausgewählten Rosé der Region. Dabei möchte ich vor allem die Besonderheiten der Region herausarbeiten und zeigen, dass sich die Côtes du Rhône als zweitgrößter Produzent französischer Weine mit großer Individualität und Qualität auszeichnet.

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