Berichte

Can Axartell – Wein aus dem Felsen

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Mallorca ist angesagt. Jedoch nicht nur für Urlauber und Rennradfahrer, sondern auch für den Weinliebhaber. Zwar hat Mallorca als balearische Insel eine weit zurückreichende Historie, die sogar bis ins 4 Jahrhundert dokumentiert ist, allerdings wurde der Anbau der Weintrauben einige Male unsanft vom Erfolgsweg geschubst. Beispielsweise durch die Reblaus. Die zwar, als sie noch am Festland festsaß den mallorquinischen Weinmarkt kurzzeitig beflügelte, dann aber für einen großen Rückschlag sorgte.

So ist die Landschaft heute aus einer Art Kompromiss auch gespickt mit Flächen von Oliven- und Mandelbäumen. Diese haben mittlerweile vielerorts ein stattliches Alter erreicht und werden immer noch bewirtschaftet. Einige dieser bis zu 1000 Jahre alten Olivenbäume stehen auf einem Grundstück um Pollença, das von einer kleinen Mauer eingerahmt ist und von außen recht unscheinbar wirkt. Wohl niemand erwartet nach dem Passieren des zwar schlichten, aber auch eindrucksvollen Tores und am Ende des dahinterliegenden Kieswegs ein Kunstwerk von Weingut.

Man wird aber eines besseren belehrt, wenn man einen Termin bei Can Axartell, Vella de Pollença a Campanet km 1.5 hat. CAN AXARTELL ziert ebenso Schlicht das Namensschild des Grundstücks.

CAN AXARTELL

Die Geschichte dieses Projekts wurzelt im 14. Jahrhundert. In dieser Zeit wurde die heute noch voll erhaltene, restaurierte und als Gästehaus für besondere Gäste zur Verfügung stehende Finca Can Axartell erbaut. Seither war sie das Wahrzeichen des 100ha großen Anwesens im Norden der Insel. Das Terrain ist hügelig, gespickt von kleinen Feldwegen und Olivenbäumen und bietet einen unverbauten Blick auf die Berge Mallorcas.

Es herrscht Ruhe an diesem Montag. Es ist der 31. Juli und man bereitet sich auf die in der ersten Augustwoche beginnende Lese vor. In Sichtweite der Finca, ist dann dieser Berg, dieser Fels. Der Anblick muss noch vor einigen Jahren eindrucksvoll gewesen sein. Heute hat er sich verändert, aber beeindruckend ist er nach wie vor. Als Bauherr agierte hier niemand geringerer als Hans-Peter Schwarzkopf, der wohl fast jedem ein Begriff ist. Ausgestattet mit einer Vision, Lust auf Wein und einem sehr, sehr großen Bohrer verwirklichte er hier seinen Traum.

Mehr als fünf Jahre dauerte es, die finale Genehmigung zum Bau von Industrieanlagen zu erhalten. Nachdem diese Strapazen überwunden waren, begann man zu bohren. Und zu bohren. Und zu bohren. Und hat schließlich das ohne Frage eindrucksvollste Weingut der Insel geschaffen.

Was man dafür tun musste war nicht einfach und dazu noch kostenintensiv. So wurde der Fels gewissermaßen ausgehöhlt, sodass heute nach vorne hin ein großes Loch im Fels ist. Dieses wurde mit großen Scheiben verkleidet. Hier befindet sich der Eingang, der an den Zugang zu einem Bergwerk erinnert, hinter einer Front, die zum einen sehr naturverbunden, zum anderen hochmodern daherkommt.

Im Felsen von Can Axartell

Einmal betreten, möchte man dieses Kunstwerk am liebsten nicht mehr verlassen. Denn der Begriff Kunstwerk trifft es wirklich sehr gut. So ist Can Axartell sicher eines der schönsten Weingüter, die ich bisher besucht habe. Die in hellem Marmor gehaltene Lobby führt den Besucher auf die verschiedenen Ebenen des Weinguts und ist einen weiteren Schnappschuss wert.

Von dort komme ich schließlich in die eigentliche Produktionsstätte. Trauben von insgesamt 60ha Reben, womit Can Axartell einer der Big Player auf der Insel ist, werden hier verwertet, um später einen neuen Jahrgang auf die Flasche zu bringen. Dabei stehen 35ha direkt auf dem Grundstück der Finca, die übrigen 25ha stehen in der Region verteilt.

Bei Aufnahme des Betriebs im Weingut, wurde von Herrn Schwarzkopf das Motto „Der beste Wein wird mit Respekt gemacht“ ausgegeben, womit sich erahnen lässt, was hier die relevanten Faktoren in der Weinbereitung sind.

Angefangen im Weinberg, wird hier ausschließlich biologisch gearbeitet, um eine natürliche, hochwertige Basis für die eigenen Tropfen zu legen. Übrigens kann man bereits hier einen Verweis zur Bodega ziehen, die in der denkbar natürlichsten Umgebung – einem Fels – eingebettet ist.

Der beste Wein wird mit Respekt gemacht

Haben die Trauben ihre volle Reife erreicht, wie erwähnt ist der Zeitpunkt 2018 in der ersten Augustwoche, kommen die Trauben runter vom Stock und gelangen in das von Gravitation gesteuerte Hauptschiff des Weinguts.

Wie man sich denken kann hat die Familie Schwarzkopf nicht an den falschen Stellen gespart und dem Winzer hochmodernes „Handwerkszeug“ an die Hand gegeben, womit dieser aus dem Ganzen Schöpfen kann. Die gelesenen Trauben gelangen wie auch anderswo üblich auf den Selektiertisch. Im Gegensatz zu vielerorts, kann man hier allerdings keine Mitarbeiter finden die einzelne Beeren wegen minderer Qualität herausselektieren. Die Anlage die die Beeren durchlaufen ist vollautomatisiert und verlässt sich auf einen Laser, der die Beeren scannt und auf die für den Winzer relevanten Parameter durchleuchtet. Den Ansprüchen nicht entsprechende Beeren werden anschließend mit Druckluft aus dem Prozess buchstäblich herausgeschossen, was das Arbeiten mit ausschließlich perfekten Trauben gewährleistet.

Methode Gravetat

Um den Stress für das Produkt zu minimieren, und dieses auch in den weiteren Schritten der Weinbereitung mit „Respekt“ und in Einklang mit der Natur zu behandeln, findet der gesamte Arbeitsprozess bis hin zum Fass oder der Flasche nach der „Methode Gravetat“ statt. Dies ist übrigens auch auf den Etiketten der Weine vermerkt. Das heißt die Weintrauben und die Maische werden am höchsten Punkt des Prozesses eingebeben und gelangen nur durch die natürliche Schwerkraft Ebene um Ebene weiter nach unten – und vorwärts im Weinbereitungsprozess. Eine Methode, die im Hause Can Axartell grundlegend ist, die Philosophie des Weinguts repräsentiert und jeglichen Einsatz von Pumpen nichtig macht.

Denkt man nun daran, dass man im Inneren eines großen Felsens steht – der Fels ist dank massiver Glasscheiben in den Wänden allgegenwärtig und eindrucksvoll in Szene gesetzt ist – und dort verschiedene Level hat, um Wein zu produzieren, kommt die Frage nach der Kühlung der Räumlichkeiten auf. Und? Gar nicht. Die Kühlung der Produktionshalle und somit des gesamten Prozesses erfolgt ebenfalls natürlich, durch die vom Felsen abgegebene Temperatur, die rundum einwirkt.

All diese Eindrücke, von der Ankunft am Tor, über den ersten Blick auf die Bodega, den auch im inneren allgegenwärtigen Felsen, bis hin zum gesamten Aufbau des Weinguts sind schlichtweg beeindruckend. Dass der Boden im Bereich der Rotweinproduktion rot und bei den Stahltanks für den Weißwein weiß ist, ist nur ein kleines Puzzlestück einer enorm runden, klaren und perfekt umgesetzten Vision, die leider dem Touristen und Anfrager vorenthalten bleibt. Für die breite Öffentlichkeit möchte man die Türe vorerst nicht öffnen, sich dafür noch mehr auf die Produktion und auch die Ausweitung dieser fokussieren.

Weine aus dem Felsen

Ich hatte bereits einige Male die Chance, die Weine von Can Axartell zu verkosten. Das erste Mal auf der diesjährigen ProWein am Stand des Weinguts, schon sehr interessant. Dann während meines Aufenthalts auf Mallorca auch einige Male. Dort zeigten mir die Besuche verschiedener Weinshops, die allesamt die Weine von Can Axartell im Sortiment hatten auch, dass man lokal gut aufgestellt ist. 
Und dann natürlich beim Tasting vor Ort im Weingut, was im Labor stattfand und auf das ich abschließend eingehen möchte. 

Das aktuelle Portfolio an Weinen umfasst drei Weißweine, einen Rosado und fünf Rotweine.
Bei den Weißen setzt man sowohl auf Stahltank, als auch auf Holz. Mir hat der Premsal Blanc sehr gut gefallen. Als autochtone Rebsorte Mallorcas – übrigens auch die Einzige – hat man hier den Geschmack Mallorcas im Glas. Die Nase wird dominiert von Frische und Frucht, von Melone, Mango und Apfel. Am Gaumen sehr schmeichelnd, weich, mit angenehmer Säure und eben dieser Frucht ausgestattet. Ein feiner Wein für den Sommer, der sich auch begleitend zum Dinner sehr gut macht.
Auf den Premsal Blanc folgte für mich die Überraschung der Probe. Der Rosado Uno. Ich bin wirklich alles andere als ein Fan von Rosé-Weinen – einige wenige Ausnahmen unkonventioneller Exemplare bestätigen die Regel – aber dieser frische, fruchtige aber eben nicht langweilige Rosé nahm mich tatsächlich mit. Die Trauben von Pinot Noir und Manto Negro – relevanteste Traube Mallorcas – werden etwas früher gelesen, um die gewünschte Frische zu erhalten. Eine Symbiose aus Frische und roter Frucht, untermalt von einer feinen Mineralität und weißen Blüten machen den Rosado zum perfekten Partner für sonnige Tage, zum Aperitif oder zum entspannten BBQ mit Freunden.
Für die Roten hat man eine interessante Serie entwickelt, die vom „Tinto Uno“, über „Tinto Dos“ y „Tinto Tres“ zum „Tinto Cuatro“ reicht und die Spanne der Roten im Hause Can Axartell sehr schön wiederspiegelt. Vom nicht im Holz gelagerten „Uno“, der mit voller Frucht, Intensität und früher Zugänglichkeit daherkommt bis zum „Cuatro“, der 12 Monate im französischen Barrique reift und mit mehr Finesse, Komplexität und Reifepotenzial dasteht. Mir persönlich hat der „Tres“ am besten gefallen. Frucht, die von Würze und Eukalyptus ergänzt wird. Saftig und konzentriert am Gaumen ist das für mich ein spannender Begleiter für BBQ mit deftigen Steaks!

Björn Bittner ist der Gründer von Bjr Le Bouquet. Seine Artikel beschäftigen sich mit den Themen Wein, Essen und Reisen. Ob Verkostungsnotiz, Restaurant-Bericht oder Einblicke in die letzte Weinreise - hier findet ihr alles was Björn bewegt.

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