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Bei Nik Weis auf dem St.Urbans-Hof

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Was war das ein wundbarer Samstag auf dem St.Urbans-Hof bei Daniela und Nik Weis.

Nachdem ich die offizielle Jahrgangspräsentation leider verpasst hatte, haben mir die Beiden am vergangenen Samstag einen sehr schönen und ausführlichen Einblick in den St.Urbans-Hof und seine Weine gestattet.

Ich war gespannt, kannte ich Nik und Daniela bisher nur über Facebook. Doch auf dem Hof angekommen, wurden wir herzlich begrüßt und erst einmal in die Keller geführt. Vom großen Stahltankkeller in den Fuderkeller und die Schatzkammer. Eine enorm große Anlage, aber 40ha müssen halt irgendwohin!
Nik erklärte die einzelnen Schritte der Produktion, welche Fuder besser sind als andere, warum dies so ist und warum sogar der Boden auf dem die Eiche wächst von Relevanz ist. Da gilt es Augen auf, Mund zu, Ohren gespitzt und Infos aufsaugen.

Nun ging es in die Vinothek. Und die ist der HAMMER!
Ein großer Raum im Stil der 30er Jahre, schöne Farben, klasse Einrichtung.
Das Highlight ist jedoch, wenn man aus den drei Seiten Fenstern schaut und feststellt, dass man mitten „im Weinberg“ steht. Rundherum ist es grün, Weinreben wohin das Auge reicht, bis hin zur Laurentiuslay.

Gegenüber des massiven Tisches, der zu Speis und Trank mit Freunden nur so einlädt, zeigen sechs Fotos die verschiedenen Lagen von Nik. Darunter sind Kisten angebracht, mit den dazugehörigen Schieferböden zum Anfassen. Gerade beim Verkosten ist das super spannend, so kann man sich je nach Wein den Boden vor Augen führen und Niks Erklärungen lauschen, weshalb welcher Boden dem Wein welche Stilistik mitgibt. Ist quasi wie Schule in interessant.

Da ich nicht wusste, wie sich Nik und Daniela das Tasting vorgestellt hatten, war ich gespannt was es alles zu schmecken geben würde.
Und Nik lies sich nicht lumpen. Also, garnicht.

Um das ganze Fest etwas zu strukturieren, sind hier zunächst alle verkosteten Weine aufgeführt:

2015 Riesling trocken
2015 Schiefer Riesling trocken
2015 Saarfeilser GG trocken
2015 Bockstein GG trocken
2015 Wiltinger Alte Reben trocken
2015 Mehringer Alte Reben trocken
2015 Saarfeilser GL

2015 Riesling
2015 Bockstein Kabinett
2015 Goldtröpfchen Kabinett
2015 Goldtröpfchen Spätlese
2015 Saarfeilser Spätlese
2015 Zickelgarten Spätlese Versteigerung
2015 Goldtröpfchen Auslese
2015 Bockstein Auslese
2015 Laurentiuslay Auslese
2015 Goldtröpfchen Beerenauslese
2011 Goldtröpfchen Trockenbeerenauslese
2005 Laurentiuslay Trockenbeerenauslese

2007 Laurentiuslay Spätlese
2004 Bockstein Auslese Goldkapsel
2002 Bockstein Auslese Goldkapsel

Jesus Maria und all ihre Söhne. Was für eine Range! Und was für eine Kollektion!
Nik Weis war mir bis dato natürlich ein Name, allerdings hatte ich bisher noch nicht allzu viel von seinen Weinen im Glas. Nicht gut, wie ich festgestellt habe.
Um das mal vorwegzunehmen, die „halben Kapseln“ finde ich super. Sieht total nice aus und macht die Erscheinung einzigartig.

So, kommen wir zu den Weinen:
Die beiden Basisrieslinge „Riesling“ finde ich schon grandios. Für unter 10€ gibt es da richtig Spaß ins Glas. Obwohl ich ja mehr der Restsüß-Fan bin, finde ich die beiden gleichauf gut. Für mich mit die besten Basisrieslinge, die ich von 2015 probiert habe.

Die beiden GGs, sowohl Saarfeilser als auch Bockstein, sind natürlich noch verdammt frisch und jung, machen dennoch schon eine Menge Spaß. Würde ich sie persönlich noch liegen lassen, was ich auch tue, entscheide ich mich für den Bockstein. Ich finde die Lage einfach genial, trocken wie restsüß! Floral, salzige Mineralität und Würze machen den Wein, obwohl er noch nicht 100% da ist, für mich mit seiner Säure zu einer Bank für die nächsten Jahre. 92-94BP.
Der Saarfeilser hat mehr Frucht und nicht diese ausgeprägte Mineralität wie der Bockstein, ist aber dennoch ein klasse GG. Beide sind ewig lang und auch nach vielen Sekunden noch präsent. 91-93BP.

Die Alten Reben aus den Lagen Mehringer und Wiltinger kamen nebeneinander: Die Wiltinger Alte Reben kommen mit Limone und Apfel und sind ebenfalls recht fein-würzig. Die genaue Restsüße kriege ich nicht mehr auf die Kette, allerdings merkte man diese dezent und angenehm. Der Mehringer Alte Reben hat keine so dominate Frucht wie sein gegenüber, ist eher etwas leiser und hat schönen Druck durch seine Mineralität und Würze. Beide hatten geilen Trinkfluss, was ich, für mich, bei Alten Reben des öfteren suche.

Zum Abschluss des trockenen Stoffs gab es den Saarfeilser GL. Eigentlich ein GG mit etwas zu viel Restzucker. So soll es sein. Macht mir nicht wirklich was aus. Was ein guter Stoff! Trinkflow bis zum Morgengrauen, da sind schon fast größere Formate Pflicht! Wunderbare tropische Frucht, reife Aprikose, reife Pfirsich, Limette. Natürlich eine sehr knackige Säure und dezente Mineralität, die dem GL ein laaanges Leben vorhersagen. Wenn man es aushält ihn liegen zu lassen. Mich würde es sehr interessieren, wie er in 5,6,7 Jahren schmeckt. 94+BP.

Weiter gehts mit den restsüßen Köstlichkeiten.
Den Bockstein Kabi hatte ich bereits im DVine probiert und er ist einfach mal eine Benchmark für einen Kabi. Was eine Rakete! Geniale florale Nase, fruchtig am Gaumen, Druck Druck Druck. Ebenfalls etwas für die intravenöse Zufuhr. 92+BP.

Der Kabinett aus dem Goldtröpfchen, die Lage hat es mir übrigens auch angetan, ist auch ein Brett. Viel präsente Frucht, mehr als beim Bockstein. Sehr voluminös, mineralisch, fein. Das Goldtröpfchen und der Bockstein, verschiedene Weine, doch in einem gleich: Trinkflow! 90+BP.

Die Spätlese aus dem Golftröpfchen ist eine Fruchtbombe, ohne an Frucht überladen zu sein. Apfel und reife Aprikose sind sehr präsent. Dazu kommt eine wunderbar elegante Mineralität, Salz, und ein Anflug von Würzigkeit, die das Goldtröpfchen herrlich fein und vielschichtig machen. Ebenfalls, wie auch sonst, jetzt schon wunderbar trinkbar, wird sie in einigen Jahren sicher noch besser sein. 92+BP.

Versteigerungswein – Yes! Sehr geil!
Das Ding hatte auch Günther Jauch im Paket der Versteigerung zu Trier.
Aus der Toplage vom Bockstein kommt diese Zickelgarten Spätlese. Sehr floral, rote Beeren, Zitrone und etwas reife Ananas. Mineralisch mit Salz und feine Würze. Hach, was ist der gut. Üppig, voluminös am Gaumen, looong mit einer gewissen Herbe, einfach klasse. 95+BP.

Die Golftröpfchen Auslese fügt sich in seiner Charakteristik herrlich an die Spätlese an. Reife Aprikose, gereifte Äpfel, frischer Honig von fröhlichen Bienen. So mag ich das. Vollmundig voluminös, schon ein kleiner Schluck füllt den Gaumen wunderbar aus. Der Schiefer macht mit Würze und Salz auf sich aufmerksam und rundet die Auslese ab. Laaaang! Wow, ist das gut! 94-96BP.

Die Bockstein Auslese, die ebenfalls noch viele lange Jahre liegen sollte, dennoch schon komplett trinkbar ist, führt die Bockstein Charakteristik weiter – nur eben mit reiferem Lesegut. Vielschichtig, Blumen, Pfirsich, Salz, Würze. Die Säurestruktur setzt dem Ganzen den Deckel drauf. Ewig lange präsent, hallt tierisch nach. Geiler Wein! 94-96BP

Eine Flasche ohne Etikett finde ich generell immer sehr spannend. Vor allem, wenn Dir Nik dann erzählt, das außer Egon Müller und dir noch keiner diesen Wein verkostet hat. Blessed. Was war das denn nun?
Laurentiuslay Auslese 2015 – man muss eigentlich nur rausschauen auf die Laurentiuslay, wunderschön. So auch der Wein. Opulent, aber trotzdem klar und filigran. Orange, Grapefruit dominieren neben der Mineralität. Der Boden hat der Auslese eine wunderbare Mineralität mitgegeben, die dem Wein eine feine Würzigkeit verleiht. Typisch für Jahrgang 15 hat das Ding eine geniale Säurestruktur, die die Auslese klasse ausbalanciert und für viele lange Jahre eine Menge Spaß verspricht. 95-97BP.

Die Winzer-Vesper, wie Nik so schön sagt, war brachial! Ich dachte erst da kommt noch wer! Dazu zog Nik eine 2007er Laurentiuslay Spätlese (94+BP) auf, die mit ihrer Reife und Vollmundigkeit der perfekte Begleiter zu diesem tollen Essen war! Der Mann weiß was er tut!

Und was macht man, bevor man sich zufrieden, satt und mit einer ganzen Kollektion Mosel-Rieslinge auf den Beifahrersitz fallen lässt um die Heimfahrt anzutreten?
Richtig, TBA trinken. Ganz klar. Denn wie gesagt, Nik lies sich nicht lumpen. So gab es nochmal ein wenig Restsüße auf den Gaumen:
2011 Goldtröpfchen Trockenbeerenauslese 96+BP.
2005 Laurentiuslay Trockenbeerenauslese 97+BP.
Streng genommen hat sowas ja auch nichts mehr mit Alkohol zu tun.
Beide natürlich üppiger als üppig, gleiten sie cremig in das Zalto und schlagen samtige, langsame Wellen beim Schwenken. Wie ein Ölfilm bedecken sie den Gaumen mit feiner, fruchtiger Süße.
Das Goldtröpfchen deutlich jünger, etwas mehr auf der fruchtigen Seite, die Laurentiuslay ein wenig mineralisch – bilde ich mir zumindest ein.
Honig, getrocknete Ananas, getrocknete Aprikose…
So schön kann Handwerk sein. Herrlich.

Zusammenfassend kann man sagen, bzw. kann ich sagen:
Die 2015er Kollektion von Nik Weis ist ganz großes Kino. Durch die Bank erste Klasse. Starker Einstieg mit den Basis-Weinen, bis zum restsüüüßen Ende durchgezogen und dabei die einzelnen Lagen schön herausgestellt.
Jeder der kann sollte sich die ein oder andere Flasche, oder den ein oder anderen Karton in den Keller legen.

Abschließend möchte ich mich bei Daniela und Nik für diesen wunderbaren Tag bedanken. Das ihr euch beide die Zeit genommen habt. Die vielen vielen Infos die ich mitnehmen konnte, die Gespräche über China, und und und.
Vielen Dank für diesen herzlichen Empfang, ich hoffe, ich darf wiederkommen!


Björn Bittner ist der Gründer von Bjr Le Bouquet. Seine Artikel beschäftigen sich mit den Themen Wein, Essen und Reisen. Ob Verkostungsnotiz, Restaurant-Bericht oder Einblicke in die letzte Weinreise - hier findet ihr alles was Björn bewegt.

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