Berichte

Austrian Wine Summit 2019 – Der Weingipfel

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Wie alle zwei Jahre fand auch dieses Jahr wieder der Weingipfel 2019 statt und zeigte die Weinregionen, Weine und Winzer Österreichs von seiner besten Seite. 
Dabei gilt zunächst Willi Klinger und seinem Team vom ÖWM – Österreich Wein Marketing – ein ganz großes Dankeschön für spannende und interessante Tage in den Regionen Österreichs bei perfekter Planung und Durchführung. Für mich war es der erste Weingipfel und leider auch der letzte unter Leitung von Willi, der sein Amt Ende des Jahres niederlegt, um neuen Aufgaben seinen Spirit zu verleihen.

Der Weingipfel 2019

Was passiert bei so einem Weingipfel? Und wer kommt?
Der Weingipfel, oder das Austrian Wine Summit ist für Journalisten gedacht. Zum Teil sind diese seit weit über 15 Jahren dabei, teils neu, wie ich. Sie möchten einen tieferen Einblick in die Welt der Weine Österreichs erhalten, Neues kennenlernen, Altbewährtes als gut bestätigen oder neuen Input haben. Wer meine Instagram-Stories von Sonntag bis Mittwoch verfolgt hat, hat schon einen recht guten Überblick über die Reise und weiß, was wir alles erlebt und verkostet haben.

Kongresstag im Palais Niederösterreich

Zentraler Ausgangspunkt aller Reisegruppen des Weingipfels – es sind weit über 100 Journalisten aus aller Welt, weshalb kleiner Untergruppen gebildet wurden um flexibler und mobil zu sein – ist der Sonntag in Wien. Dort ist zunächst ein Kongresstag angesetzt. Neben dem „Wein Update“, das alles was es so Neues gibt beleuchtet und einem Walking Lunch mit direkt einer ganzen Reihe von Weinbars gibt es dabei auch historisches zu entdecken. Für mich besonders spannend war die Ausarbeitung von FAZ-Journalist Daniel Deckers zur Rebsorte Zweigelt und seinem äußerst umstrittenen Namensgeber Friedrich „Fritz“ Zweigelt. 
Stattgefunden hat der Kongresstag im wunderschönen, Ehrfrucht erregenden Palais Niederösterreich in Spuckweite zur Hofburg und zum Kanzleramt. 
Ausklingen ließen wir den Tag mit einem Heurigenabend etwas außerhalb des Zentrums von Wien gelegen, wo wir neben deftigen Speisen einen Einblick in die Weine Wiens erhielten. Als wohl einzige Großstadt mit eigenem Weinbau präsentierten Winzer stolz ihre Weine und alle Gäste hatten sichtlich Spaß beim Verkosten. Ich fand besonders die Gemischten Sätze spannend und fand schnell meine Favoriten, wie zb. den Edlmoser.

Weinviertel – Grüner Veltliner, oder was?

Nach einem hier und da doch längeren Abend, brachen wir am Montagmorgen recht früh unsere Zelte ab und machten uns im Bus auf den Weg ins nördlich von Wien und in Niederösterreich gelegene Weinviertel. Dort ist auf knapp 14.000 Hektar der Grüner Veltliner die tonangebende Rebsorte. Sie bringt dort wunderbare Weine von rassiger Natur hervor. Knackig und würzig sind die „Gruner“ aus der größten spezifizierten Weinbauregionen Österreichs. 
Den Tag starteten wir weintechnisch jedoch mit dem perfekten Aperitif und Stimmungsmacher – Sekt. Und dabei geht es im Besonderen um die österreichische Sektpyramide mit ihren Klassifizierungen „Klassik“, „Reserve“ und „Große Reserve“ am Kopf der Pyramide. Für mich allerdings nicht neu, da ich bereits im letzten Jahr an einer Masterclass zur Sektpyramide im STOCK teilgenommen habe. 
Nach den Bubbles ging es historisch-geografisch weiter und wir machten uns zum Schrattenberg auf, wo wir neben österreichischem Grünen Veltliner auch einen tschechischen GV verkosten durfte, der sehr positiv überraschte. Tschechien?! Ja, denn am Schrattenberg treffen sich Österreich, Tschechien und die Slovakei, weshalb man mit einer 360° Drehung auf alle drei Länder schauen kann. Im Gasthaus zum Doppeladler intensivierten wir unser neues Wissen am Glas und verkosteten frei neben dem Lunch 53 Weine aus Österreich und eben auch Tschechien. Sehr spannend mit einigen wunderbaren Tropfen! Auch einer meiner Favoriten – Dürnberg aus Falkenstein bei Poysdorf – war mit zwei Weinen dabei. Lunch could be worse!

Carnuntum auf Schloss Hof

Nach getaner Arbeit im Doppeladler ging es im Bus Richtung Süden, etwa auf Höhe Vienna, wo sich Schloss Hof von Prinz Eugene befindet. Auch hier gab es zunächst eine historische Einführung vom ur-sympathischen Prof. Dr. Karl Vocelka und etwas Sightseeing, anschließend ging es dann wieder ans Glas. Das gesetzte Tasting im pompösen, hellen, wirklich wunderschönen Saal wird von den Winzern Christina Artner-Netzl, Philipp Grassl und Robert Payr und dem Sommelier Rastislav Šuták moderiert und zeigt auf, was in Sachen Carnuntum so geht. Von Weißburgunder – hier die Carnuntum Reserve von Gerhard Markowitsch mein Favorit – über die roten Rebsorten Zweigelt und Blaufränkisch, die meiner Meinung nach allesamt auf hohem Niveau waren, sich jedoch durchweg sehr eigenständig präsentierten, bis hin zu den Weinen der Slovakei im letzten Flight. Viel schneller und vor allem fundierter kann man Weine aus drei Ländern kaum verkosten und kennenlernen. Übrigens, das Ganze mit Blick auf die Hauptstadt der Slovakai, Bratislava, die direkt hinter der Grenze auf Schloss Hof schaut.

Neudsiedlersee – 1,50m tief, aber viel zu bieten

Tag 1 des aktiven Parts beim Weingipfel 2019 wandte sich dem Ende zu und da wir leider nicht in den royalen Gemächern von Prinz Eugene auf Schloss Hof nächtigen durften, wen wundert’s, zog es unseren Bus weiter an den Neusiedlersee. Geografisch tiefster Osten Österreichs, doch das tut der wirklich schönen Gegend keinen Abbruch! Im St. Martins Therme & Lodge Hotel ging es erstmal eine Stunde ins oder aufs Bett – oder an die Bar auf ein Pils – bevor wir uns zum Dinner einem 5-Gang Menü mit 2er Flight-Begleitung trafen. Highlight für mich der 2011 Blaufränkisch Ried Altenberg von Paul Achs, der stramm, straff und voller Energie im Glas stand und schon auf den kommenden Tag hindeuten ließ – Blaufränkisch braucht Zeit! Zum Dessert oder Käse wurde es dann richtig süß: Eine Süßweinbar mit acht Süßweinen von der Muskat-Ottonel Spätlese über Beerenauslesen, Eisweine und Trockenbeerenauslesen bis hin zum Strohwein, gab es einiges zu probieren. Highlight hier der 2018er Burgendland Eiswein vom Gelben Muskateller von Tschida, der mit 195g Restzucker im Glas „stand“, dabei aber eine schöne Säure inne hatte und somit rund und ausbalanciert war.
Gute Nacht.

UNESCO Weltkulturerbe Zicksee & Vogelschau

Der Dienstagmorgen war dann mal etwas ganz anderes – und hat trotz eher suboptimalen Wetters richtig Spaß gemacht. Es ging auf Safari! Zwar kann der Zicksee nicht mit Löwen, Giraffen und, wie wir feststellen konnten, auch nicht mit Alligatoren im Schilf aufwarten, es überzeugten uns zum einen aber die historischen Salzlacken des Seewinkels, zum anderen seine Vogelpracht und die Passion, mit der unser Guide Karin die Umgebung beschrieb, Vögel klassifizierte und einfach sichtlich Spaß bei der Arbeit hatte.
Der enge Zeitplan stresste wohl am meisten ÖWMler Florian, der permanent die Uhr im Auge hatte, damit wir irgendwie durch die Stationen des Tages kamen. Weiter also.

Ungarn – 4 Länder in 2 Tagen

Wie bereits erwähnt, verkosteten wir am Montag bereits Weine aus Österreich, wie auch Tschechien und der Slovakei. Schaut man nun auf die Landkarte, findet den Neudsiedlersee und wandert mit dem Finger nach Osten, steht da Ungarn. Ein weiteres Land also, das wir auf unserer Route durch Österreich mitnehmen sollten. Und so standen wir schließlich, direkt hinter der Brücke von Andau, auf ungarischer Seite, an einem Schild mit der Aufschrift „Iron Curtail Trail“ und erhielten einen Überblick über die Geschichte dieser Brücke in der Zeit der bürgerlich-demokratischen Revolution 1956. 

BBQ und Wein – das muss sein

Direkt in Andau, unweit der Brücke und ungarischen Grenze befindet sich das riesige, hochmoderne Weingut Scheiblhofer. Der Rundgang durch die Hallen endete mit einem Knaller: Scheiblhofer ist einer der fünf „Wild Boys of Club Batonnage“, die im Jahr 2001 die Cuvee Batonnage ins Leben riefen. Das dieser Stoff Zeit braucht ist bekannt. Daher war es wenig überraschend, dass die 2015er Magnum – der erste 100 Punkte Falstaff-Wein Österreichs – brachial jung war und der kleine Schluck als Appertizer vor dem Lunch durchaus ausreichend. Bitte zur Wiedervorlage in 10 Jahren. Danke!

Der Folgende Lunch hatte es in sich. Käse-Würstl und Co. auf dem Teller, dazu eine Reihe spannender Weine im Glas, wieder frei zu verkosten. Highlights hier die Graue Freyheit von Heinrich, aber auch verschiedene Zweigelts, wie der Sacris Premium von Salzl.

Blaufränkisch at its very best!

Hachja. Blaufränkisch. Florian Schütky sagte auf der Reise öfters: „Über Blaufränkisch schreibt man, Zweigelt trinkt man.“ Definitiv hatten wir bis dato eine ganze Reihe spannender Zweigelts verkostet. Für mich, wie auch die meisten der Truppe, ist Blaufränkisch jedoch die rote Rebsorte der Wahl. Somit war das gesetzte Tasting am Nachmittag auf dem Schaeflerhof mein Highlight der Tage in Österreich. Moderiert von Vinous‘ David Schildknecht, dem Managing Director von Wein Burgendland Christian Zechmeister und Winzer Franz Weninger gab es die volle Breitseite Blaufränkisch. Klassisch, komplex, großartig. Umso besser, dass wir für die vier Flights mit je zwei Weinen ganze zwei Stunden Zeit hatten und uns somit am Glas austoben konnten. Auf tiefergehende Details möchte ich Andernorts eingehen, was ich aber sagen möchte sind einige Produzenten, die es mir besonders angetan haben: So waren für mich Moric, Prieler, Schiefer und Weninger wahnsinnig stark, wenn auch das gesamte Feld auf enorm hohem Niveau rangierte und die Diversität aufzeigte, mit der Blaufränkisch auf die Flasche gebracht werden kann. Wahnsinnig gut! Wie schon mehrfach erwähnt, brauchen die Geräte einfach Zeit. So führte Christian Zechmeister nochmals explizit aus, dass Blaufränkisch eine Rebsorte ist, die auf Zeit angemessen ist – im Berg, im Keller und auch auf der Flasche. Dann wird es richtig richtig gut! Hier noch kurz ein paar Props an den Weinkaiser aka. Ralf Kaiser, der mir schon am Vortag von einigen Tastings mit reiferen Blaufränkischs erzählte, die mit mehr und mehr Reife immer stärker Richtung Bordeaux gehen. Definitiv zu bestätigen!
Mega Tasting, vielen Dank!

Csencsits & das Burgenland

Wieder der Kaiser. Am Abend ging es ins Gasthaus Csencsits im beschaulichen Harmisch. Ralf warnte mich schonmal vor: „Das ist halt richtig gut da.“ und auch hier hat der Mann recht. Tatsächlich ist Harmisch ein Dorf ohne Empfang – „Nur Notrufe“ – in dessen Mitte an einem Gasthaus die JRE Plakette hängt. 5 großartige Gänge, eine wahnsinnig gut funktionierende Weinbegleitung, grandios! Highlights?! Neben dem Essen ein knackig frischer Welschriesling von Straka, ein herrlich gereifter 2008er Chardonnay Ried Tatschler von Kollwentz und ein unsagbar frischer, kraftvoller, aber niemals überladener Perwolf von Krutzler aus der 5!!! Liter Flasche. Irgendwelche Fragen?!

Eisenberg und Steiermark

Den Abschluss dieser anstrengenden, aber vor allem interessanten und perfekt organisierten Reise stellte der Mittwoch mit einem Besuch am Eisenberg am Morgen und einem anschließenden Transfer in die Steiermark. 
Vom Eisenberg habe ich im letzten Jahr eine Reihe geiles Zeug probiert, und witzigerweise fand die morgendliche Verkostung auf einem der Weingüter statt, die mich besonders nachhaltig beeindruckt haben – dem Schützenhof. Was ein Programm!

Fazit?! Österreich kann viel!

Dass Österreich viel kann, ist nichts Neues, klar. Die Zeit, in der ich bisher dabei bin, habe ich zwar wann immer möglich österreichische Weine verkostet und auch etwas im Keller, doch so war dies die erste Reise in die Regionen. Und ehrlich gesagt kann ich mir kaum einen besseren, tieferen „Einstieg“ in die Region wünschen, als diesen. Die Tage waren super aufschlussreich, enorm interessant, haben viel von dem bestätigt was ich über die Weine Österreichs denke und mir darüber hinaus Neues gezeigt, das es zu vertiefen gilt. Ob die Grünen Veltliner aus dem Weinviertel, wirklich gute Gemischte Sätze aus Wien, enorm trinkige Zweigelts oder alterungswürdige, komplexe, großartige Blaufränkische – das ist richtig gut, richtig vielseitig und richtig individuell was die Winzer da auf die Flasche bringen. 
Es ist so wie ich es immer in meinen Tastings oder Veranstaltungen sage: Man muss einfach mehr trinken. Es bringt alles nichts. Trinken, reisen, reden. Thats the key – as always!


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Björn Bittner ist der Gründer von Bjr Le Bouquet. Seine Artikel beschäftigen sich mit den Themen Wein, Essen und Reisen. Ob Verkostungsnotiz, Restaurant-Bericht oder Einblicke in die letzte Weinreise - hier findet ihr alles was Björn bewegt.

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